Herausgegeben von Erwin Chvojka und mit einem Nachwort von Daniela Strigl. Erweiterte Neuausgabe. "Kein anderer fand für das Schwerste so leicht einen Klang, keiner war so mündlich im Ton und so einprägsam", schrieb Herta Müller über den Lyriker Theodor Kramer, dessen Gedichtbände sie einst in Bukarester Antiquariaten fand. Weil er als Heimat- und Landschaftsdichter den Nationalsozialisten zunächst unverdächtig erschien, konnten Kramers Bücher unbehelligt veröffentlicht werden. Erst der Protest in der "Arbeiter-Zeitung" gegen die Vereinnahmung seiner Texte durch die Nazis führte zum Publikationsverbot in Deutschland und behinderte sie in Österreich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2006
Kaum zu glauben, dass es so wunderbar erzählende Gedichte in deutscher Sprache gibt, feiert Rezensent Burkhard Müller eine der für ihn größten literarischen Überraschungen der letzten Zeit. Der einzige Wermutstropfen sei, dass aus Kommentar und Nachwort kaum etwas über die Biografie des wunderbar "eigenwilligen" Theodor Kramer zu erfahren sei. Und auch nicht, ob die anderen der insgesamt zwölftausend Gedichte des österreichischen Sozialisten verschollen sind. Vor lauter Vergnügen zitiert der Rezensent gleich drei Gedichte Kramers. Sie spielen in Wien, meist im Morgengrauen und meistens im Bett mit Huren. Und meist stehe der Moment des Abschieds im Vordergrund. Wie in den Tageliedern des Mittelalters, so der Rezensent, enthalte dieser Moment das Zuvor und das Danach. Aber nicht Melancholie oder Koketterie sei bei Kramer zu finden, sondern ein frohgemuter Blick auf die "seelisch-ökonomischen" und mitunter auch nackten Tatsachen. Und das, staunt der Rezensent, in einem metrisch raffinierten und trotzdem leichten Vers, der zudem den billigen Effekt meidet.
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