Tash Aw

Der Süden

Roman
Cover: Der Süden
Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN 9783630878324
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda. Malaysia, Ende der 90er: Der sechzehnjährige Jay fährt mit seiner Familie in den Süden des Landes. Kürzlich ist der Großvater verstorben und hat ihnen Haus und Land hinterlassen. Einst eine blühende Farm, scheint der fortschreitende Verfall kaum noch aufzuhalten. Die Bäume sind krank, die Felder nach monatelanger Dürre vertrocknet. Dennoch soll Jay - auf Geheiß seines Vaters - zusammen mit Chuan, dem Sohn des Farmvorstehers, das Land bestellen. Oder das, was davon noch übrig ist. In der erstickenden Hitze auf den Feldern und in den Straßen der Stadt fühlt sich Jay immer mehr zu Chuan hingezogen. Doch das Erbe der Farm und die zunehmende Machtlosigkeit gegenüber der Natur und der Welt lasten schwer auf der Familie. Wird Jay überhaupt Gelegenheit haben, Chuan seine Gefühle zu zeigen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.10.2026

Tash Aw schreibt in seinem Generationenroman über die gesellschaftlichen Umbrüche und Widersprüche in Malaysien, und er tut dies auf so findige, so eindrückliche Weise, dass Rezensent Stefan Michalzik stets mit den Figuren fühlen kann, ohn das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Das große Ganze, das ist in diesem Fall: die asiatische Wirtschaftskrise, die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf die Art, wie Menschen in Malaysien wohnen, arbeiten und zusammen leben. Unablässig prallen in diesem Roman Gegensätze aufeinander, Gegensätze zwischen Stadt und Land, zwischen damals und heute, zwischen verschiedenen Ansichten, Hoffnungen, Werten und Wissensformen, so der Kritiker. Nicht immer entstehen daraus nur negative Spannungen, versichert er: Zu den stärksten Passagen von "Der Süden" etwa zählen für ihn Aws eindrückliche Schilderungen jener ersten erotischen Spannungen zwischen einem der Hauptprotagonisten Jayu, der mit seiner Familie aus der Hauptstadt in den ländlichen Süden kommt, und dem Farmerssohn Chuan. Diese Passagen, in denen die Kollision der Welten nicht zu Unmut, Frust und Unverständnis führt, sondern zu Lust, bilden einen Ausblick in all der "Schwermut des Untergangs", von der dieser bemerkenswerte Roman auch erzählt, so der beeindruckte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.09.2026

Rezensentin Julia Schröder bekommt mit Tash Aws Roman nicht nur eine berührende Familiengeschichte geboten, sondern auch einen hochinteressanten Einblick in die malaiische Gesellschaft. Es geht um den jungen Jay und seine Familie: Überraschend hat die Mutter eine Farm in Malaysia geerbt,die von Fong, dem Halbbruder ihres Mannes recht erfolglos verwaltet wird. Der Haussegen hängt schief, Jays Vater ist ein ziemlicher Tyrann und hat vermutlich auch eine Affäre, resümiert die Kritikerin. Jay lernt Fongs Sohn Chuan kennen, gemeinsam entdecken die beiden die Umgebung und kommen sich näher, so die Kritikerin. Aber das ist noch "mehr als eine Geschichte von Coming of Age und Coming out", versichert Schröder: In vielfältigen, zersplitterten Perspektiven und Zeitsprüngen entfaltet der Autor ein Panorama der Geschichte Malaysias und großen Asienkrise 1997. Wie detailreich und atmosphärisch Aw die Orte, Lebenssituationen und die Konkurrenz- und Existenzkämpfe zwischen Malaien, Indonesen und Chinesen schildert, findet Schröder sehr beeindruckend. Sie freut sich auf eine Fortsetzung, denn Aw hat eine ganze Trilogie geplant. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.09.2026

Brillant findet Jan Behrs Tash Aws Roman über eine queere Liebe in der öden malaiischen Provinz. Dass der Autor auf Englisch schreibt, nicht auf Malaiisch oder Chinesisch, veranlasst Behrs, über mögliche Verluste durch diese "stilistische Globalisierung" nachzudenken. An der Klasse des Textes ändert das für ihn nichts. Die Geschichte überzeugt Behrs mit der spannungsreichen Konstellation zwischen dem Verwaltersohn und dem Pächtersohn aus der Stadt sowie durch Aws handwerkliches Können, seine "coole" Sprache und bereichernde Perspektivwechsel, die historische und soziale Kontexte schaffen. Den sparsamen Stil des "Show, don't tell" beherrscht Aw laut Behrs ausgezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.08.2026

Tash Aw zeichnet in seinem Roman "Der Süden" das eindringliche Porträt einer Familie, in dem sich nicht nur komplexe, wandelnde Familienstrukturen zeigen, sondern auch eine Gesellschaft im Umbruch, beschreibt Rezensent Dirk Fuhrig. Im Zentrum dieses Romans steht der 16-jährige Jay. Lebendig und facettenreich erzählt Tash Aw von Jays chinesisch-stämmiger Familie in Malaysia, von seinen Schwestern, die studieren wollen, seiner Mutter, der der Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit schwer fällt, von seinem tyrannischen Vater, von Jays Schulzeit, in der er für seine Homosexualität verachtet wurde und von seiner ersten großer Liebe zum älteren Chuan. Dabei will dieser Autor offenbar weder erschüttern noch anklagen, lesen wir. Seine Sprache ist keine Waffe, sondern ein Instrument, mit dem sich feinste Gefühlsverschiebungen aufzeichnen lassen, subtile sinnliche und emotionale Details. Indem Aw das Innenleben seiner Figuren sichtbar macht, eröffnet er auch den Blick auf den Wandel der malayischen Gesellschaft, erklärt Fuhrig. Pociao und Roberto de Hollanda haben diese Sprache sensibel und gekonnt ins Deutsche übertragen, so der beeindruckte Rezensent.