Tania Förster

Dora Maar

Picassos Weinende
Cover: Dora Maar
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2001
ISBN 9783434505006
Gebunden, 200 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Am 16. Juli 1997 starb in Paris kurz vor ihrem 90. Geburtstag eine Frau, mit deren Namen sich für viele der des Malers Picasso und seines epochemachenden Porträts von ihr aus dem Jahre 1937 verbindet: Dora Maar ? die »weinende Frau«.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2001

In einer Doppelrezension bespricht Bernd Mattheus zwei Bücher, die sich mit Picasso bzw. seiner Lebensgefährtin Dora Maar befassen.
1.) Tania Förster: "Dora Maar" (Europäische Verlagsanstalt)
Mattheus geht zunächst ausführlich auf das Leben von Dora Maar ein, bevor er auf die Stärken und Schwächen dieses Bandes zu sprechen kommt. Sein Fazit fällt schließlich ernüchternd aus: Herausgekommen sei bei dieser Biografie lediglich ein "Desiderat", das Geheimnis der Dora Maar ist seiner Ansicht nach auch nach der Lektüre nicht gelüftet. Zwar habe die Autorin zahlreiche noch lebende Zeitzeugen für ihr Buch befragt, doch auch diese Befragungen können, wie er anmerkt, "die Vielzahl der Mutmaßungen kaum verringern". Das Gespräch mit Balthus beispielsweise gibt für Mattheus vielmehr ein Zeugnis von dessen Gedächtnisverlust ab. Geradezu ärgerlich findet es der Rezensent, wenn - mangels Masse - sogar "Exzerpte aus Auktionskatalogen als Quellen zitiert" werden.
2.) Monika Czernin, Melissa Müller: "Picassos Friseur" (Kiepenheuer & Witsch)
Mattheus scheint die Beziehung Picassos zu seinem Friseur, der ihm nicht nur die Haare schnitt, sondern auch mit der Zeit zu einem Freund wurde und ihn regelmäßig zu Stierkämpfen begleitete, zwar durchaus interessant zu finden. So erfahre man beispielsweise auch etwas über Picassos Aberglauben (er bewahrte Bart- und Kopfhaare auf, um sich vor bösen Zaubern zu schützen, erläutert Mattheus). Doch nach Ansicht des Rezensenten hätte ein Essay oder eine Reportage zu diesem Thema völlig ausgereicht. Dass die Autorinnen der Länge wegen noch Ausflüge in Picassos Liebschaften oder den Spanischen Bürgerkrieg unternommen haben, hätte nicht unbedingt sein müssen, findet der Rezensent. Auch das Versprechen des Verlags, "Picasso wie ihn keiner kennt" zu präsentieren, werde hier nicht eingelöst.
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