Ein junger Mann befreit aus Liebe zu einer engagierten Tierschützerin in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Hunderte von Truthähnen. Allerdings geht das Mädchen danach mit einem anderen Tierschützer auf und davon, und die Geschichte nimmt speziell für die Truthähne ein schlimmes Ende. In einer anderen Geschichte wird ein Vater durch seine kleine Tochter mit seiner Hippie-Vergangenheit konfrontiert, zu der er sich nicht mehr bekennen kann.
Gut gemacht findet Susanne Fischer diese Erzählungen schon, aber gerade das findet sie auch etwas nervend. Es stört die Rezensentin, dass Boyle ungeheure Kulissen und Absurditäten auffahre, um Einsichten zu belegen, die ihr ziemlich banal scheinen. Der Autor mache sich "über private oder kollektive Heilserwartungen", etwa einen extremen Vegetarismus, lustig, lasse dabei aber seine Figuren zu "Typen" werden, denen ein glaubhaftes Eigenleben fehle. Fremd ist ihr an dem Buch auch, dass es sich bei den von Boyle geschilderten Obsessionen doch um sehr amerikanische Leidenschaften handele: "So wichtig ist Football? So ein Großthema ist Fleischessen contra Vegetariertum? Tja, und denn?"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Hubertus Breuer beschreibt Boyle, den Autor von "Willkommen in Wellville" als einen "Matador der amoklaufenden Wirklichkeit", der nun doch die Realität näher an sich heranlassende. Boyle selbst, so der Rezensent, mag gespürt haben, dass sich die Satire in seiner Kunst totzulaufen begann. Boyles neue Erzählungen treffen bei Breuer auf gemischte, aber eher wohlwollende Resonanz. Am besten gefallen ihm die Geschichten, in denen "Mensch und Kreatur aufeinanderstoßen". Hier beschreibt Breuer mit Hingabe Boyles Perspektivwechsel vom Großwildjäger auf den angeschossenen Elefanten oder die erotische Anregung eines Liebespaars angesichts einer Massenorgie von Hunderten kopulierender Kröten im tiefen tiefen Wald. Boyles satirische Ader bleibt fruchtbar, meint der Rezensent, aber Trost spendet sie weder Mensch noch Tier.
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