Streitfall Galen

Studien und Dokumente
Cover: Streitfall Galen
Aschendorff Verlag, Münster 2007
ISBN 9783402002322
Gebunden, 541 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Joachim Kuropka. Die Seligsprechung Kardinal von Galens am 9. Oktober 2005 hat in der Öffentlichkeit zu einer ungewöhnlich intensiven Diskussion geführt, in der sehr unterschiedliche Bewertungen seines Handelns und Wirkens zutage traten. Nicht selten wurden - auch aus kirchlichen Kreisen - ohne hinreichende historische Begründung Werturteile in einer großen Spannweite abgegeben, die von der Betonung Galens als herausragender Gestalt bis zu Verunglimpfungen reichten. Die Beiträge dieses Bandes stammen von ausgewiesenen Fachhistorikern, deren quellennahe Studien auch zu Herkunft, Familie, Seelsorge und zur Kirchenpolitik des NS-Regimes eine wissenschaftlich fundierte Verortung der Gestalt Galens bieten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2008

Alexander Kissler begrüßt zwei gleichzeitig erscheinende, umfangreiche Publikationen präzisieren das zwiespältige Bild des Bischofs von Münster, Clemens August von Galen, der von seinen Gegnern als demokratiefeindlich, kriegslüstern und antisemitisch kritisiert, von seinen Verehrern dagegen als Held des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gefeiert wird. Joachim Kuropka hat in seinem Band zahlreiche neue Quellen zutage gefördert, die Galens Haltung gegenüber dem NS-Regime beleuchten, stellt der Rezensent erfreut fest. So macht der Beitrag von Maria Anna Zumholz deutlich, dass der Bischof den Krieg zwar als "Strafgericht" und streng im Rahmen der "Erbsündetheologie" verankert ansah, trotzdem aber die Katholiken nicht zur Verweigerung aufrief. Jürgen Kampmann kann anhand von Quellen zeigen, dass sich Galen mit dem "fanatischen Euthanasiebefürworter" Karl Brandt, dem Leibarzt Hitlers, getroffen und über die Tötung von Juden und Häftlingen mit ihm gesprochen habe. Dieser Band macht deutlich, dass der Münsteraner Bischof weder konsequenter Widerstandskämpfer war, noch als so "tumb und wankelmütig" eingestuft werden kann, wie es seine Kritiker tun, resümiert Kissler zufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2007

Lobend äußert sich Rezensent Hans Maier über diesen von Joachim Kuropka herausgegebenen Band über den Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen. Der Titel "Streitfall Galen" und die grelle Aufmachung des Buchs lassen ihn zunächst vermuten, hier gehe es um eine polemische Abrechnung mit dem Bischof. Doch zu seiner Freude ist dies nicht der Fall, der Inhalt des voluminösen Bands scheint ihm eher "erklärender und verteidigender Natur" und widerspreche auch nicht einem anderen von Hubert Wolf herausgegeben Band über Galen. Anders als letzterer und damit als gute Ergänzung sieht er vorliegenden Band stärker auf die Gegenwart, das westfälische Umfeld sowie die Galen-Rezeption der jüngsten Zeit bezogen. Maier würdigt den Bischof, auch wenn er kein Musterrepublikaner und kein Musterdemokrat war, als mutigen Mann, der 1941 entschieden gegen die Euthanasie-Morde protestierte und damit erreichte, dass dieses Programm für eine gewisse Zeit aufgeschoben wurde.