Steffen Popp

Ohrenberg oder der Weg dorthin

Roman
Cover: Ohrenberg oder der Weg dorthin
Kookbooks Verlag, Idstein 2006
ISBN 9783937445175
Gebunden, 151 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Am Ende seines Lebens bricht Aschmann noch einmal auf, um Graf Ohrenberg zu begegnen. Jahrzehnte, nachdem Zufall und politische Wirren sie zusammengeführt und wieder auseinander gespült haben, nähert er sich jenem Funkturm im Thüringer Bergland, auf dem Ohrenberg zurückgezogen lebt. In Erwartung ihres Wiedersehens definieren, konstruieren und verorten sie sich, wetteifern Aschmann und Ohrenberg um Realien des Wunders und die Homunkuli ihres "elefantischen Daseins", das erfüllt ist von den Hinterlassenschaften eines kaum erst vergangenen Jahrhunderts, die sie bewohnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2006

Lyriker können nicht erzählen - von wegen! "Ohrenberg oder der Weg dorthin", Steffen Popps erster Roman, erscheint dem Rezensenten Richard Kämmerlings wie eine absonderliche, und doch sehr stimmige Kopfgeburt. Der alte, umfassend gebildete, kauzige und sendungsbewusste Graf Ohrenberg wohnt in einem von den Russen verlassenen Funkturm im deutschen Osten und sendet von dort aus, als eine Art ständig "plappernder radiohead" seine Botschaften ins weite Land. Als Ohrenbergs ehemaliger Weggefährte Aschmann, mittlerweile in Finnland, über diese Flaschenpost stolpert, macht er sich auf den Weg zu Ohrenberg und dokumentiert seinen Weg in einem "Fahrtenbuch". Ohrenbergs und Aschmanns Gedankenströme hat Popp üppig mit - teils ironisch gebrochenem - Großdenker-Pathos ausgestattet und die "aberwitzigen Biografien" der beiden sich annähernden "Geschichtsmonaden" zusammenmontiert "wie ein absurdes Theaterstück auf zwei Bewusstseinsnebenbühnen", erklärt der Rezensent. Mit der Besonderheit, dass der Roman endet, bevor es zur Begegnung kommt, was den Rezensenten mutmaßen lässt, dass Aschmann entweder Ohrenbergs schizophrener Fantasie entsprungen ist oder aber dass Aschmann, wie schon sein Name andeutet, ein Todesbote sein könnte. Dieser Roman, reich an sprachlicher Bilderhaftigkeit und übersprudelnden Gedanken, weist Popp als außergewöhnlich begabte Erscheinung aus, so das beeinruckte Fazit des Rezensenten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2006

Vor dem "ehrgeizigen Projekt", das Steffen Popp mit seinem ersten Roman auf die Beine gestellt hat, hat Rezensentin Nicole Henneberg durchaus Respekt; dennoch kann sie das Ergebnis nicht hundertprozentig gutheißen. Popp schickt seine Protagonisten, einen Grafen und dessen Sekretär "auf die Reise ins Innere der Wahrnehmungen" und versucht dabei, "eine lyrische, zum Teil sogar gereimte Erfassung der Welt". Der Graf und sein Begleiter erfahren das Exil in der Schweiz, eine Reise nach Ägypten und das wirtschaftliche Aus ihrer einst wohlhabenden Familie. Die vielen Bilder, die der Autor geschickt aneinanderreihe, findet die Kritikerin zwar beeindruckend, jedoch geht die "hochkonzentrierte Erzählarbeit" für ihren Geschmack auf Kosten des eigentlichen Erzählens, der Leser ermüde angesichts dieser Sätze, die eine "enorme Strahlkraft" haben, mitunter "rastlos und heftig" daherkommen.
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