Stefanie de Velasco

Tigermilch

Roman
Cover: Tigermilch
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013
ISBN 9783462045734
Gebunden, 288 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Nini und Jameelah leben in derselben Siedlung, sie sind unzertrennlich und mit ihren 14 Jahren eigentlich erwachsen, finden sie. Deswegen kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen, wenn sie ganz cool und pomade auf die Kurfürsten gehen, um für das Projekt Entjungferung zu üben. Sie mischen Milch, Mariacron und Maracujasaft auf der Schultoilette. Sie nennen das Tigermilch und streifen durch den Sommer, der ihr letzter gemeinsamer sein könnte. Die beiden Freundinnen lassen sich durch die Hitze treiben, sie treffen nicht Tom Sawyer oder Huck Finn, aber hängen mit Nico ab. Nico, der in der ganzen Stadt "Sad" an die Wände malt und Nini ein Gefühl von Zuhause gibt. Sie machen Bahnpartys, rauchen Ott in Telefonzellen und gehen mit Amir ins Schwimmbad. Amir, den sie beschützen wie einen kleinen Bruder. Und dessen großer Bruder Tarik im Dauerstreit mit seiner Schwester liegt, weil diese sich in einen Serben verliebt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2013

Für Wolfgang Schneider ist dieses Debüt eine "aufgebrezelte Talentprobe". Allerdings scheint er sich durchaus vorstellen zu können, dass Stefanie de Velasco irgendwann mehr zustande bringen wird als diesen Pubertätsroman mit hektischer Problemballung, der den Jugendsprech von Herrndorfs "Tschick" kopiert, ohne allerdings über dessen Gelassenheit zu verfügen. Für Schneider ist das alles viel zu viel. Zu viele weltkennerische Geistesblitze, zu viel krasse Drastik. Ein paar Zwischentöne in der Geschichte um die beiden Berliner Lolitas Nini und Jameelah, in der von Nymphchen-Sex bis Ehrenmord wirklich alles vorkommt, was der Migrantenmilieu-Thriller braucht (oder auch nicht), hätten Schneider milder gestimmt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2013

Etwas beunruhigt geht Nico Bleutge aus der Lektüre von Stefanie de Velascos Debütroman hervor. Aber das ist ein Kompliment. Schließlich gelingt es der Autorin laut Bleutge, mit einem Geflecht aus Anspielungen, raffinierter Doppelperspektivik und einem Gespür für Strukturen den Text nicht zu einem Rührstück über das Erwachsenwerden werden zu lassen. Nun gut, die Autorin ist auch nicht mehr 25. Bleutge allerdings folgt den Randzonen-Problemkindern Nini und Jameelah mit Spannung. Darüber hinaus lernt er etwas über ethnische und religiöse Konflikte, Freundschaft und die erste und die zweite Liebe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2013

Rezensent Felix Stephan geht mit Stefanie des Velascos Roman "Tigermilch" ziemlich hart ins Gericht. Die Autorin fahre das gesammelte "Personal der Abendnachrichten der Nuller-Jahre" auf, Flüchtlinge aus Bosnien, Serbien und aus dem Irak, die Hartz-IV-Opfer, die neuversehrten Kriegsveteranen, um in der Manier des öffentlich-rechtlichen Fernsehens "volksdidaktisch vereindeutigt" von den Randgebieten der deutschen Soziallandschaft zu erzählen, fasst der Rezensent zusammen. Die größte Schwäche des Romans ist für ihn, dass Velasco ihre Geschichte aus der Perspektive eines verliebten Teenagers erzählt, der sämtliche Vorgänge und Charaktere entlang nach seinen eigenen, ziemlich naiven Moralvorstellungen interpretiert. Da fehlt dann jede Ambivalenz, bedauert Stephan.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.08.2013

Mit großer Begeisterung hat Rezensentin Fatma Aydemir diese in rasantem Tempo erzählte Coming-of-Age-Geschichte zweier Berliner Mädchen gelesen, die "im Hormonrausch nach immer neuen Wegen der Grenzerfahrung" suchen - ob nun auf dem Straßenstrich oder beim Trinken obskur zusammengebrauter Cocktails. Für die beiden Vierzehnjährigen ist das alles unhinterfragt normal - schon deshalb freundet sich die Rezensentin rasch mit den beiden an, zumal die Autorin in ihrem Porträt pubertären Ekstaseüberschusses auch gar nicht zu weit gehen kann, findet Aydemir. Dass die Welt der beiden eine an sich recht kaputte ist, wird dem Leser nicht vorenthalten, auch wenn Informationen solcher Art recht beiläufig eingestreut werden, erklärt die Rezensentin, die das Buch schlussendlich all jenen empfiehlt, die sich noch nicht darüber im Klaren sind, dass nicht ein gewisses Alter, sondern nur die Erfahrungen, die einem zustoßen, erwachsen machen.
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