Aenne Biermann (1898-1933) zählt zu den festen Grössen der Fotografie der 1920er und 1930er-Jahre. Im Gegensatz zu Fotografenkolleginnen wie Florence Henri, Germaine Krull oder Lucia Moholy erfuhr sie weder eine künstlerische Ausbildung noch verkehrte sie in den Avantgardekreisen der Grossstadtzentren - und obwohl sie nur wenige Jahre fotografierte, entwickelte Biermann einen eigenen, signifikant modernen Bildstil, der sie innerhalb kürzester Zeit als Vertreterin der zeitgenössischen Avantgardefotografie etablierte. Sie richtete ihre Kamera auf Pflanzen, Dinge, Menschen und Alltagssituationen. Mittels klarer Strukturen, präziser Kompositionen mit Licht und Kontrast sowie enger Bildausschnitte entlockte sie den Motiven ihres persönlichen Umfelds eine besondere Poesie und vermittelte, wie sie 1930 schrieb, eine "Vertrautheit mit den Dingen". Mit Beiträgen von Simone Förster, Olivier Lugon, Stefanie Odenthal, Rainer Stamm, Katharina Täschner und Anna Volz.
Rezensentin Bettina Maria Brosowky blickt zunächst auf die Geschichte der Fotografie im Allgemeinen und die Geschichte der Fotografinnen im Besonderen zurück, bevor sie diesen Bildband mit Aufnahmen der fotografischen Autodidaktin Aenne Biermann, einer Vertreterin der Neuen Sachlichkeit, empfiehlt. In den Aufnahmen von Pflanzen, Blättern, Mineralien oder Menschen erkennt die Kritikerin Einflüsse von Karl Blossfeldt, Alfred Erhardt oder Albert Renger-Patzsch, aber auch eine ganz eigene Intimität und Intuition. Zudem liegt hier ein "kongenial gestaltetes Druckwerk" vor, schließt die Kritikerin.
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