Mit einem Nachwort von Clemens J. Setz. Das Ende der Arbeit, die Aufhebung der Familie und die Abschaffung der Zeit treten in diesem Buch als verwandte, einander sogar bedingende Begehren auf. Sie alle drehen sich um das Ziel, der künstlichen Produktion von Gegenwart ein Ende zu setzen und vergangene Kämpfe in kollektiv bestimmte Zukünfte zu transformieren. Es ist 175 Jahre her, dass es erstmals beim Namen genannt wurde: das die Gegenwart heimsuchende, aus der Zukunft flüsternde Gespenst des Kommunismus. In den letzten Jahren tauchen wieder vermehrt solche Gespenster auf, die von radikal anderen Zukünften zu flüstern wissen. Sie erscheinen vor allem in Filmen, Romanen und künstlerischen Arbeiten, sind aber gar nicht so leicht zu erkennen, weil sie sich nicht an althergebrachte Formen des Spuks halten. Es braucht neue Werkzeuge, um sie aufzuspüren, mit ihnen ins Gespräch zu treten und herauszufinden, was sie uns über unsere Zeit, ihre Abschaffung und von möglichen anderen Zeiten berichten können. Der Essay "Zeit abschaffen" tritt mit Gespenstern der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit in einen solchen Dialog. Er sucht das Gespräch mit ihnen mit dem Ziel, ihr Flüstern nicht wie so oft als Drohung, sondern als Versprechen hörbar zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.03.2025
Kluge Gedanken zur aktuellen politischen Perspektivlosigkeit versammelt dieser Essay Simon Nagys laut Rezensent Bodo Morshäuser. Der zentrale Begriff, im Untertitel aufgerufen, ist die Hauntologie: Die Kämpfe um eine bessere Welt der 1960er Jahre sind heute nicht mehr zugänglich, weil nur noch deren Scheitern erinnert wird, beziehungsweise die Gegenwart heimsucht, so Nagys These. Eben das sei die antirevolutionäre Taktik von Staat und Kapitalismus und es geschehe mithilfe der Regime von Arbeit, Familie und Zeit. Nagy zeigt auf, fasst Morshäuser zusammen, wie alternative Lebensentwürfe schon durch die Gestaltung moderner Städte verhindert werden und wie vorgebliche Zeiteinsparungen tatsächlich eher Zeit vernichten. Stringent durchargumentiert ist das nicht, aber gerade das gefällt dem Rezensent. Hier kann jeder "von der Seite einsteigen" und seine eigenen Gedanken zur gegenwärtigen Malais politischen Handelns beitragen.
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