Zaungäste stehen außerhalb des Geschehens; meist verharren sie in gesicherter Distanz, bewahren sich eine Reserve gegenüber den Ereignissen und nehmen das Außer- und Ungewöhnliche oft präziser wahr als diejenigen, die sich inmitten des Getümmels bewegen. Siegfried Lenz' hier versammelte Reiseerzählungennehmen genau diese Perspektive ein. Er entführt seine Leser nach Japan; er sucht in Australien nach einem legendären Vogel, der durch sein Gelächter aufzufallen pflegt; er erleidet tapfer die kalorienreichen Freuden einer jütländischen Kaffeetafel und den schweißtreibenden Aufenthalt in einer finnischen Sauna ... humorvolle Erkundungen des Fremden, die zeigen, dass der Standort des Zaungastes oft vorteilhaft ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2004
In einer knappen Kritik zeigt sich der Rezensent mit dem Kürzel "ncb." recht angetan von dem Band mit sieben Reiseerzählungen von Siegfried Lenz. An einigen Texten ist durchaus der Zahn der Zeit spürbar und mitunter gleichen sich die "Kommentare" zu den Reisezielen, räumt der Rezensent ein. Dennoch hat ihn der Blick des Autors für das "Neue, Unterwartete", das sich hinter dem Bekannten verbirgt, fasziniert und ihm gefällt die "humorvolle Stimme", die in den Erzählungen dominiert. Dabei entfalten die Reiseerzählungen einen "Bildzauber", der auch den prosaischsten Beobachtungen noch eine poetische Seite abgewinnt, so "ncb." angetan.
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