Dünne Wände

Claassen Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783546100151
Gebunden, 256 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Jens Friebe. In der Wohnsiedlung Banneker Terrace in Harlem kennt man sich. Oder zumindest weiß man übereinander Bescheid. Da ist Swan, wohnhaft in Apartment 6B, der von seinem Weg abzukommen droht, als sein alter Kumpel aus dem Gefängnis entlassen wird. Und Mimi, Apartment 14D, die ihr und Swans Kind großzieht, kellnert, nebenbei Haare flechtet und nicht weiß, wie sie die Mieterhöhung stemmen soll. Oder Ms Dallas, Swans Mutter, die hilfsbedürftige Kinder in der Schule begleitet und auf einen Lehrer trifft, der zwar seinen Steinbeck und Shakespeare drauf, aber keine Ahnung davon hat, wie er mit seinen Schüler:innen umgehen soll. Da sind noch so viele andere, die struggeln und scheitern und wieder aufstehen und vermutlich wieder scheitern werden. In acht miteinander verwobenen Geschichten erzählt "Dünne Wände" von einer Gemeinschaft, die vom Kapital der anderen, der Gentrifizierung bedroht wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2025
Rezensent und Literaturwissenschaftler Kai Sina staunt über die traurige Pointe, die Sidik Fofanas Buch für ihn ausmacht. Denn eigentlich habe es das Debüt des New Yorker Schriftstellers auf Pluralität und Differenz angelegt: Aus mehreren Perspektiven, in jeweils ganz eigenen Stimmen erzählt das Buch aus dem Leben von acht Bewohnern eines Sozialbaus in Harlem; es geht um finanzielle Nöte, den Verkauf von Windeln, um Bleivergiftungen, weil das Baby früher verpestete Wände abgeleckt hat; kurz: um die "lebenspraktischen" Auswirkungen von Gentrifizierung, fasst der Kritiker zusammen. Grundton bleibe dabei die "Aussichtslosigkeit" des Abstrampelns. Dieses Katalog-Prinzip funktioniert für den Kritiker, der sich hier auch an Walt Whitman erinnert fühlt, beim Lesen gut, besonders durch die Individualität, die der Autor seinen Figuren in Sprachrhythmus, Slang und Codes verleiht, kongenial übersetzt vom Musiker Jens Friebe, lobt Sina. Nur zerstreut sich dieser Eindruck beim Zuklappen des Buchs schnell wieder, stellt der Kritiker überrascht fest, und zurück bleibt bei ihm der homogene Eindruck des Überlebenskampfs - er deutet dies aber nicht als Manko, sondern als zusätzlichen Wert des Buchs auf Metaebene: als "soziales Experiment" an der Leserschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2024
Rezensent Andrian Kreye hätte gar nicht gedacht, dass ein Buch über soziales Elend so lustig sein kann, doch Sidik Fofana beweist es ihm: Sein Debütroman spielt in Harlem, Protagonisten sind gar nicht so sehr die auftretenden Figuren, sondern vielmehr das Haus, in dem sie wohnen, ein heruntergekommener Apartment-Komplex. Dieses Haus erlebt die Geschichten um Mimi, die sich mit Friseurtätigkeiten ein Zubrot zu ihrem Kellnerjob erarbeitet, um die Hilfslehrerin Verona oder um Quanneisha, die ihr Studium abgebrochen hat - Geschichten, die Fofana lebensecht, lustig und mit feinem Gefühl für Sprache schreibt, so Kreye. Er würde das Buch sofort in eine Reihe mit großen New York-Romanen von Malamud und weiteren stellen.