Aus dem Englischen von Jochen Stremmel. Ariel Manto hat es nicht leicht: Sie ist pleite, ihre Wohnung ein Rattenloch und die Quellenlage zu ihrer Dissertation über den viktorianischen Schriftsteller T. E. Lumas ist verheerend: Nicht nur heißt es, dass auf dessen Hauptwerk ein Fluch lastet, es ist auch so gut wie ausgeschlossen, dies zu verifizieren, denn alle Exemplare des Buches sind verschollen. So kann Ariel ihr Glück kaum fassen, als ihr eine Ausgabe von Lumas Opus magnum in die Hände fällt. Wie besessen vertieft sie sich in die aberwitzige Geschichte von Mr. Y, der durch die Einnahme eines Elixiers in eine andere Dimension, die Troposphäre, versetzt wird. Dort ist es möglich, durch die Gedanken anderer Menschen und damit auch durch Zeit und Raum zu reisen. Zynische Skeptikerin, die sie ist, glaubt Ariel weder an Flüche noch an Wunderdrogen, dennoch startet sie einen Selbstversuch und landet tatsächlich in der Troposphäre. Doch diese Art des Reisens birgt ungeahnte Gefahren, denn nicht alle Wesen, die die Troposphäre durchwandern, sind Neuankömmlingen wohlgesinnt. Zum Glück steht Ariel ein treuer Gefährte zur Seite, denn bei der wilden Jagd durch alle Dimensionen geht es um nichts Geringeres als die Rettung der "realen" Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2008
Dies ist ein ambitionierter, komplizierter, theorieversessener, Ebenen verschachtelnder, Dekonstruktion und Quantenphysik im Munde führender - und dennoch alles in allem sehr guter Roman. Meint Oliver Jungen, der sich alle Mühe gibt, der Leserin und dem Leser seiner Rezension klarzumachen, wie es sich mit den unterschiedlichen Realitätsebenen verhält, über die die Handlung des Buches geschickt verteilt wird. Der Hauptschauplatz ist die sogenannte Troposphäre, die wiederum viel mit dem Buch eines Spiritisten aus dem neunzehnten Jahrhundert, zugleich aber auch mit den virtuellen Realitäten des Internet zu tun hat. Die Heldin ist eine supergeniale Studentin mit Vornamen Ariel, die nun durch die Romansphären geistert. Nichts hindert einen freilich daran, so Jungen, die ganze Veranstaltung als große "Allegorie des Lesens" zu nehmen, mit der ein oder anderen Buchstäblichkeit lege die Autorin selbst diese Spur. Es ist zwar nicht so, meint Jungen am Ende, dass die Streichung von ein- oder zweihundert seiner knapp sechshundert Seiten dem Roman nicht hätte nutzen können. Auch so aber bleibt offenkundig genug, das die Lektüre lohnt.
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