Vom Horror vacui, vom Schrecken der Leere, sprach schon das Mittelalter. Und auch in der Gegenwart fürchten wir nichts so sehr wie Leerlauf und Langeweile, leere Gasspeicher und leere Supermarkt-Regale. Andererseits hat die gespenstische Leere, die wir aus dem Corona-Lockdown oder von dystopischen Zombie-Filmen kennen, auch etwas Faszinierendes. Für die Atomisten der Antike gab es nur dank der Leere überhaupt Bewegung in der Welt. Von Zen bis Dada, von der Moderne bis zur Pop-Kultur wird die Leere nicht gefürchtet oder geleugnet, sondern gefeiert und bejaht, erforscht und in Szene gesetzt. Dieses Buch erzählt die wechselhafte Geschichte eines ambivalenten Begriffs. Es geht dabei nicht nur um das mächtige Phantasma von der großen, gewaltigen Leere am Anfang und Ende der Welt, sondern auch um die Leere als Spiel- und Zwischenraum: um die Leerstellen unserer Selbst- und Weltbilder, um eine gelockerte Kultur der Pausen und Lücken. Denn die Löcher sind bekanntlich die Hauptsache an einem Sieb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2024
Rezensent Achim Landwehr findet im "löchrigen", funktionslosen Eiffelturm ein Sinnbild für die Leere, wie sie Sascha Michel in seiner kulturgeschichtlichen Darstellung wissensreich ausmisst. Chronologisch nimmt sich Michel laut Rezensent Phänomene, Denkrichtungen und Entwicklungen vor, die um das Thema Leere kreisen, führt luzide Denkschulen und Surrogate wie den Konsum vor und taucht ein in das kosmologische Vakuum. Welche Dynamiken die Leere in Gang setzte, zeigt der Autor mit viel Belesenheit, lobt Landwehr.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.07.2024
Dass die Beschäftigung mit der Leere ziemlich erfüllend sein kann, lernt Rezensent Hans von Trotha in dem Buch von Sascha Michel, der sich, inspiriert von der Corona-Krise, auf einen Streifzug durch die Kulturgeschichte des Nichts gemacht hat. Zwischen "Horror vacui" und "Weltuntergangsfantasien" zieht Michel verschiedenste Texte, aber auch Filme und Musik heran und beleuchtet sie hinsichtlich ihres Potenzials für seine Frage nach der Leere, was sich für Trotha äußerst produktiv lesen lässt. Einzig ein weiteres Schlaglicht auf die Frage, wie wir künftig aufbauend auf alle aktuellen Probleme Leere denken wollen, hätte sich der Kritiker noch gewünscht.
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