Sarah Koldehoff

Dick Pics

Cover: Dick Pics
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783803137647
Kartoniert, 80 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Penisbilder haben eine lange Geschichte, durch die Digitalisierung aber hat ihre Produktion und Verbreitung enorm zugenommen. Fast jede zweite Frau im Alter zwischen 16 und 24 Jahren hat online schon einmal ungefragt ein Nacktfoto erhalten - oft wird dies als übergriffig und beschämend erlebt. Sarah Koldehoffs Essay zeigt eindrücklich, wie Dick Pics als Zeichen männlicher Dominanz in der digitalen Sphäre wirken, warum sie so viel häufiger sind als Pussy Pics - und diskutiert, wie unfreiwillige Empfängerinnen mit ihnen umgehen können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2025

Rezensentin Helen Röhnsch zeigt sich sehr überzeugt von diesem analytischen Essay der deutschen Autorin. Sie warnt darin vor der drohenden Verharmlosung von "Dick Pics", die von ihren Sendern scheinbar als Einladung zum erotischen Spiel gedacht sind, in Wahrheit aber einen grenzüberschreitenden Akt darstellen, fasst die Rezensentin zusammen. In einem kulturhistorischen Rückblick ordnet die Autorin diese Phallusdarstellung überzeugend in eine patriarchale Tradition ein, die im Römischen Reich begann und sich auch auf das Viktorianische Zeitalter erstreckte. Dabei gehe es immer um Dominanz und Gewalt, die in der zu einfachen Verbreitung digitaler Bilder perfiderweise als unverstandener, ironischer Witz umgedeutet und auf die Schuld der Empfängerinnen geschoben werden könne. Für den Umgang mit Dick Pics verweist die Autorin unter anderem auf Beispiele aus der amerikanischen Kunstszene, wo etwa die Künstlerin Whitney Bell ihre ungefragt erhaltenen Bilder als Basis für eine Ausstellung nutzte. Dagegen ist das "Pussy Pic", außerhalb künstlerischer Kontexte als Geste der Selbstermächtigung, kaum verbreitet, da es Gefahr läuft, nur entlang patriarchaler Logiken der Objektifizierung verstanden zu werden, liest Röhnsch. Die Kritikerin hofft, dass dieser kluge, einleuchtende Text einen neuen Raum für den Ernst dieses Phänomens schafft. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2025

"Bücher die Halt geben", hat die Zeit ihre Herbst-Beilage betitelt - und man fragt sich schon, wie es dieses Buch in die Auswahl geschafft hat: Fast jede zweite Frau zwischen 16 und 24 hat bereits ein sogenanntes Dick Pic erhalten, also das Bild eines erigierten Gliedes, informiert uns Rezensent Claas Oberstadt. Die Leserschaft für diesen Essay der Journalistin Sarah Koldehoff ist also da, fährt der Kritiker fort. Treffend findet er, wenn Koldehoff mit dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu von "symbolischer Gewalt" spricht, die sich auf die Opfer legt, gleichwohl vermisst er eine weitere kulturhistorische Einordnung. Interessiert liest er den kurzen Penis-Darstellungsüberblick, den er von der Autorin bekommt, vor allem aber lobt er, wie Koldehoff das "schiefe" Männlichkeitsbild in der Popkultur aufspießt. Auch Männern, die ungefragt Dick Pics verschicken, empfiehlt er den Essay: Vielleicht lernen sie dann, was sie Frauen damit zumuten, meint er etwas naiv.