Salman Rushdie

Luka und das Lebensfeuer

Roman
Cover: Luka und das Lebensfeuer
Rowohlt Verlag, Reinbek 2011
ISBN 9783498057879
Gebunden, 272 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Mit seinem neuen Roman knüpft Rushdie an sein weltberühmt gewordenes modernes Märchen "Harun und das Meer der Geschichten" an. Alles beginnt mit einem Zirkusbesuch: Aus Tierliebe verflucht der zwölfjährige Luka, jüngster Sohn des legendären Geschichtenerzählers Raschid Khalifa, den grausamen Captain Aag, Direktor des Zirkus "Große Feuerreifen". In derselben Nacht bricht im Zirkus ein Brand aus, die Tiere wagen den Aufstand. Zwei von ihnen Hund der Bär, ein begnadeter Tänzer, und Bär der Hund, ein begabter Sänger nehmen Zuflucht bei Luka und werden seine besten Freunde.
Doch Aag schwört bittere Rache. Bald nach dem Brand verfällt Raschid in einen tiefen Schlaf und wacht nicht mehr auf. In einer sternenübersäten Nacht trifft Luka vor dem Haus auf Nobodaddy, einen seltsam durchsichtigen Doppelgänger seines Vaters, der ihm verrät, dass er aus der Welt der Magie gekommen ist, um Raschid zu töten. Nur wenn Luka das große Lebensfeuer holt und es seinem Vater verabreicht, kann er ihn retten ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2011

Rezensentin Claudia Kramatscheck hätte sich von Salman Rushdies neuem Märchenroman "Luka und das Lebensfeuer" gern ins Reich der Fantasie verführen lassen, zurückgeblieben ist nach der Lektüre aber leider nur ein "leicht abgestandener Geschmack", wie sie sagt. Der Fortsetzungsroman zu "Harun und das Meer der Geschichten" biete zwar eigentlich alles, was eine Fantasiegeschichte brauche: einen kleinen Jungen, der im Reich des Todes gegen böse Mächte kämpfen muss, um das Lebensfeuer zu stehlen, damit er seinen Vater retten kann, viele magische Kreaturen und mythische Götter; darüber hinaus verhandele Rushdie auch grundsätzliche Fragen zur Natur der Zeit, der Welt der Träume und nicht zuletzt der Kraft der Fantasie, die es in unserer konsumorientierten Welt zu retten gelte. Das ist der Rezensentin diesmal aber doch alles etwas zu plakativ: Gut und Böse erscheinen zu Schwarz und Weiß, all das habe man so auch schon zu oft gelesen - vor allem bei Rushdie selbst. Deshalb ihr Wunsch: der nächste Rushdie-Roman sollte bitte nicht weniger, sondern wieder ein bisschen mehr als ein Rushdie-Roman sein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.03.2011

Salman Rushdie kann von Glück sagen, dass ihn Chomeinis Fluch berühmt machte - dieses Buch hier hätte ihn jedenfalls nicht so weit gebracht. So in etwa hebt Burkhard Müllers vernichtende Kritik von "Luka und das Lebensfeuer" an. Mit wesentlich mehr Respekt als den Autor behandelt Müller jedenfalls Ayatollah Chomeini, den "religiösen und politischen Führer Irans", der einen "geistlichen Urteilsspruch" gegen Rushdie erlassen habe, weil dieser in den "Satanischen Versen" den Propheten Mohammed habe auftreten lassen. "Luka und das Lebensfeuer" bezeichnet Müller als eine Heldenreise "von der Stange", bunt und beliebig, selbstverliebt, repetitiv und "sterbensöde". Und das einzige, was an seiner Kritik erstaunt, ist, dass Müller sich dafür so viel Platz nimmt. Es mag daran liegen, dass er Rushdie zuletzt noch eine "Vision vom Untermenschen" nachweisen will - denn am Ende zerfleischen sich in dem Roman nach dem Abwurf von Juckpulver die "Ratten des Respektorats", die Müller als Symbolfiguren für die Islamische Republik deutet. Den Mordaufruf des "religiösen  Führers" sieht Müller als "geistlichen Urteilsspruch". Dem davon bedrohten Autor aber attestiert er am Ende schiere "Mordlust".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Der klassische Einstieg des Erwachsenenmärchens hat Ulrich Greiner erwartungsfroh in Abenteuerstimmung versetzt, die jedoch bald einen Dämpfer erfährt: Wortkaskaden, aufgeblasene Geschwätzigkeit, schräge Einfälle, scheinbar wahllose Versatzstücke antiker und indischer Mythen und der Hang zum "Allerfantastischsten" ermüden den Rezensenten, strapazieren seine Imagination und überlagern die doch eigentlich einfache Geschichte über einen Jungen und seinen sterbenden Vater. Dass Salman Rushdie dennoch ein begnadeter und witzbegabter Erzähler ist, möchte Greiner zwar nicht in Abrede stellen, trotzdem fühlt sich der Rezensent nach der bunten Lektüre so ermattet, als hätte er "Herr der Ringe" und "Harry Potter" ineinander gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Markus Gasser zieht den Hut vor Salman Rushdie. Dass die Welt die "Satanischen Verse" doch endlich auch läse, anstatt sie nur zum Politikum zu machen, ist sein frommer Wunsch. Derweil stürzt er sich in Rushdies Geschichte eines kindlichen Gulliver und Candide in Personalunion im Land der Riesenratten. Dieses vor genialen Einfällen strotzende Buch magisch zu nennen, erscheint Gasser als heillose Untertreibung. Schon beim Aufzählen der in die Geschichte eingeflossenen "Fantasietraditionen aller Welt" muss der Rezensent kapitulieren. Dass Rushdie mit diesem wilden Stilmix aus Musical und Fantasy aber auch noch das Genre des Fantastical erfunden hat, möchte er uns nicht verheimlichen. Das Buch, so glaubt Gasser übrigens, ist aus solchem Holz, dass es sogar die Leute vom iranischen "Kongress der Selbstmordattentäter" zum Schmunzeln bringen dürfte.
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