Mit einem Strom von Worten - und Gefühlen - überschüttete Rudolf Borchardt (1877-1945) die elf Jahre jüngere Bildhauerin und spätere Schriftstellerin Christa Winsloe (1888-1944), die er 1912 in München kennengelernt hatte und 1913 in Florenz wiedertraf. Es blieb eine einseitige Beziehung, wie auch die Überlieferung des Briefwechsels einseitig ist, denn nach zwei wechselseitigen Rückgabe-Aktionen sind nur die Briefe Borchardts von 1913 einigermaßen vollzählig erhalten. Als Dokument einer Amour fou stellen sie das Monument einer singulären Rhetorik dar, die nach Bedarf auf mehrere Fremdsprachen ausgreift, zugleich aber auch das Beispiel eines wertkonservativen Bekehrungsversuchs und ein anrührendes Zeugnis der Einsamkeit des dichterischen Ichs ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2019
Katharina Teutsch schwelgt in den von Peter Sprengel herausgegebenen Briefen Rudolf Borchardts an die von ihm angebetete Künstlerin Christa Winsloe aus den Jahren 1912/13. Schade findet die Rezensentin, dass Winsloes kühle Erwiderungen nicht im Band enthalten sind. So muss sie sich mit Borchardts Zeugnissen einer unerfüllten Liebe und seiner umso heftiger sprudelnden Fantasie begnügen. Die mit antiken Motiven gespickten hochtönenden Minne-Briefe lassen Teutsch indes erahnen, mit welchem Gegenüber der Liebende es zu tun hatte. Für Teutsch stellt die bildhauerisch tätige autofahrende Winsloe einen durchaus interessanten weiblichen Sozialtypus ihrer Zeit dar.
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