Das lyrische Werk von Ror Wolf erscheint aus Anlass des fünfundachtzigsten Geburtstags des Dichters in größtmöglicher Vollständigkeit in einem handlichen Band.
Es ist ein unaufgeregter Ton, der in den Gedichten von Ror Wolf vorherrscht, obwohl sie von seltsamen Begebenheiten, Unglücksfällen und erotischen Wirrnissen handeln. Körperteile ragen in Räume hinein, Pistolen werden gezückt, und Reisende versickern lautlos im Unbekannten. Die Leichtigkeit der Sprache und ihre artistisch anmutende Komik sind jedoch nur zwei Bestandteile dieser Welt, hinter deren Schilderung stets der skeptische Blick des Melancholikers sichtbar bleibt.
Diesmal sind sie übrigens wirklich komplett, verspricht der ergriffene Rezensent Tim Caspar Boehme, naja, jedenfalls bis jetzt komplett, denn Ror Wolf ist erst 85 und noch nicht "schwarz davongeflogen" wie seine Lieblingsfigur Hans Waldmann in einem späten Gedicht. Gegenüber dem Band "Im Zustand vergrößerter Ruhe" von 2009, sind laut Rezensent noch eine ganze Menge Gedichte hinzugekommen, wichtige, und Gelegenheitsgedichte, und immer melancholischere, was nicht heißt, dass Wolf nicht seinen Witz bewahrt. Für Boehme stellt sich klar die Frage, ob Wolf nicht "der größte lebende deutsche Dichter überhaupt" ist.
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