Rolf Schulten

Rolf Schulten: A100

Cover: Rolf Schulten: A100
Kettler Verlag, Dortmund 2025
ISBN 9783987411793
Gebunden, 96 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Beton, viel Beton. Kaum Menschen und praktisch keine Autos. Bilder von Stille, wo normalerweise keine ist. Bilder von Grünflächen, die nie jemand betritt, weil sie sich zwischen zwei Autobahnarmen befinden, Kleingärten, abgestellter Hausrat, Schriftzüge. Bilder die zeigen, woran wir üblicherweise nur vorbei rauschen, weil wir im Auto sitzen. Indem Rolf Schulten mit seinen Fotografien der Berliner A100 eine autofreie Autobahn inszeniert, reduziert er sie einerseits auf ihren architektonischen und städtebaulichen Kern und zeigt andererseits die Spuren ihrer Geschichte. Wo haben Menschen angesichts ihrer massiven Präsenz sich eigene Räume bewahrt? Welche Un-Orte, Brüche und Brachen hat dieses in Beton gegossene Mobilitätsversprechen geschaffen? Die Stadtautobahn A100 wurde zwischen den sechziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut. Auf 28 Kilometern schlägt sie in einem Halbkreis eine meist sechsspurige Schneise durch den Westen Berlins, durch Wohn- und Gewerbegebiete gleichermaßen. Die Fotoserie entstand in den Jahren 2021 bis 2023 entlang der gesamten Strecke sowie ihren Zubringern, von den Stadtbezirken Wedding im Norden bis nach Neukölln im Süden der Stadt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2025

"Je schäbiger, desto besser" - so beschreibt Rezensent Kai Spanke, wie Rolf Schultens Fotografien der Berliner Stadtautobahn A 100 auf ihn wirken. Aufgenommen wurden sie zwischen 2021 und 2023 und sie zeigen den Autobahnabschnitt so, wie man ihn normalerweise nie zu Gesicht bekommt: komplett ohne Autos. Das befreit den Blick indem es die Aufmerksamkeit auf die ornamentalen Qualitäten der architektonischen Trostlosigkeit von Sichtbeton, Lamellen, Stacheldraht und anderen Bausünden lenkt. Das wenig strahlende Wetter, fährt Spanke fort, trägt ebenfalls zur atmosphärischen Anmutung der Bilder bei. Natürlich kann man in all dem auch nur das triste Ergebnis eines ums Automobil herum entworfenen urbanen Raums sehen wollen; und damit nur das in ihnen erkennen, was man, meint der Rezensent, eh schon wusste. Spanke jedenfalls versenkt sich lieber in das erstaunliche ästhetische Potential, das die Berliner Hässlichkeit in diesem außergewöhnlichen Fotoband offenbart.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2025

Rezensent Lennart Laberenz schaut auf die Fotos, die Rolf Schulten von der A 100 vorlegt, mit gemischten Gefühlen, denn der Preis für die Trasse, den Berlin zahlen muss, ist kein geringer, ahnt Laberenz. Die Autobahn als "ungenutzte Stadtmöblierung", als Schneise ins Grün bzw. in die Bebauung, so stellt es sich dem Rezensenten auf den Fotos dar. Sichtbar wird für ihn dabei u. a. der bautechnische Aufwand, den eine Stadtautobahn erfordert: Planken, Zäune, Schilder und Beton. Kein schöner Ort, findet Laberenz, aber ein gelungenes Autobahnporträt.