Michael Dressel, geboren 1958 in Ost-Berlin, ist ein Wanderer zwischen der amerikanischen und der deutschen Kultur. Die regelmäßigen Reisen zwischen seinen Heimatorten an der amerikanischen Westküste und Berlin sensibilisieren ihn, die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte festzuhalten. Sein zweites Buch zeigt seine Sicht auf die amerikanische Gesellschaft am Vorabend einer historischen Wahl, einer Wahl zwischen Vernunft und Wahnsinn, zwischen einem geordneten Zivilstaat und fortschreitendem Verfall und Chaos. Aus mitteleuropäischer Sicht betrachtet, sollte die Wahl eindeutig ausfallen, aber um ein Gefühl über die aktuelle Geisteslage der Amerikaner zu entwickeln, hilft es sich dieses Buch mit dem endzeitlichen Titel anzuschauen. Dressels Bilder zeigen ein Land, eine Gesellschaft am Rande des Abgrunds, Menschen geprägt von extremem Nationalismus, politischer Polarisierung, religiösem Fanatismus, Waffenwahn gepaart mit Paranoia und allgegenwärtiger Armut und moralischem Verfall. Ergänzt werden seine Porträt durch Landschaftsaufnahmen die ihre eigene düstere Sprache sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2024
Frank Dietschreit trauert mit dem deutschstämmigen, in Los Angeles lebenden Fotografen Michael Dressel um ein Land, das einst für viele Menschen verheißungsvoll war, heute aber nur noch soziales Elend und waffenstarrenden Schrecken verbreitet. So jedenfalls die Sicht Dressels. Der Bildband mit seinen Schwarzweiß-Fotos führt den Rezensenten in ein kaputtes Paradies, wo Kinder mit Waffen posieren, Trump-Anhänger nach Nationalismus schreien und Sexarbeiterinnen ihren Job auf offener Straße ausüben. Vernagelte Fenster, Industriebrachen, ausgedorrte Felder, kaputte Gestalten - Dietschreit sieht viel Verstörendes und manche rätselhafte Geschichte auf den Bildern.
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