Klappentext

Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Die Dominikanische Republik, etwas später. Vom einstigen Touristenparadies ist nicht mehr viel übrig: Die Strandpromenaden von Tsunamis verwüstet, das Meer auf Jahrzehnte verseucht, und auf den Straßen patrouillieren Roboter, die Flüchtlinge aus Haiti einsammeln und verschwinden lassen. Dies ist die Welt von Acilde Figueroa. Die junge Frau arbeitet als Hausangestellte einer Voodoo-Priesterin mit besten Verbindungen zur Macht. Acilde selbst hat nur zwei Wünsche: erstens Restaurantchef zu werden und zweitens ein Mann. Ihr Plan für ein neues Leben geht gehörig schief. Doch auf der Flucht erfährt Acilde, dass sie auserwählt ist, das Meer vor seiner Zerstörung zu bewahren. Und so beginnt ein wilder Trip, an dessen Ende Acilde vor dem Dilemma eines jeden Auserwählten steht: Gehorcht sie der Prophezeiung oder ihrem Eigensinn?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.06.2018

Cool und völlig verrückt, dunkel und brutal nennt Judith von Sternburg diesen Roman der dominikanischen Musikerin und Autorin Rita Indiana. Dabei entwirft sie auf gerade mal 150 Seiten ein ganzes Erzähllabyrinth, vielleicht auch einen Dschungel, in dem ihre ProtagonistInnen ihr Geschlecht ebenso wechseln wie die Zeit, in der sie leben. Sternburg umreißt die vielen Erzählstränge nur kursorisch: Acilde wird zu Giorgio und jagt quer durch die Jahrzehnte ihrem privaten Glück hinterher; Linda verkümmert vor Verzweiflung über den Zustand der Meere, in denen sie nur noch Kloaken sieht, aber keine Schönheit; Argenis dagegen malt mit seinem Wechsel ins 17. Jahrhundert endlich nicht mehr vorgestrig wie Goya, sondern avantgardistisch und echt karibisch. Doch täusche man sich nicht, betont Sternburg, Rita Indianas "Tentakel" erscheint vielleicht wie ein wilder Trash-Roman, in Wahrheit ist er eine präzise Kombination aus Hipstersatire, Ökothriller und Karibikstudie.