Richard Russo

Diese alte Sehnsucht

Roman
Cover: Diese alte Sehnsucht
DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN 9783832195397
Gebunden, 352 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Jack Griffin wollte niemals werden wie seine Eltern. Seit dreißig Jahren ist er verheiratet, hat eine wohlgeratene Tochter und wurde nach seiner Karriere als Hollywood-Drehbuchautor Professor an einem kleinen College im Nordosten. Doch nun ist er Mitte fünfzig und erkennt, dass ihn die Lebensmuster seiner wunderbar scheußlichen Eltern längst eingeholt haben. Der Pulitzer-Preisträger Richard Russo zeigt in seinem Roman, dass wir den Rollenbildern, denen wir zu entfliehen suchen, niemals ganz entkommen: Wir wiederholen sie oder verkehren sie in ihr Gegenteil. Diese alte Sehnsucht führt ebenso unterhaltsam wie kunstvoll vor, dass Familie dort ist, wo uns das Schlimmste, aber auch das Beste geschieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2011

Mit großem Vergnügen hat Rezensent Ulrich Baron diesen Roman von Richard Russo gelesen. "Diese alte Sehnsucht" ist für ihn ein Buch über den "langen Abschied von den Eltern". Im Mittelpunkt steht Jack Griffin, Professor und ehemaliger Drehbuchautor, der auf dem Weg zu zwei Hochzeiten erkennt, dass seine Unzufriedenheit eine Wiederholung der seiner Eltern, ebenso snobistischen wie chronisch unzufriedenen Dozenten aus dem akademischen Mittelbau, darstellt. Baron lobt den Roman insbesondere für seine feine Komik und die amüsante Darstellung alltäglicher Absurditäten. Bisweilen allerdings kippt die Handlung seines Erachtens ins "Komödiantische", hier, befindet er, wäre weniger mehr gewesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2010

Den ersten Teil von Richard Russos Familiengeschichte, in der ein fast 60-jähriger College-Dozent sich von der immer noch lähmenden Übermacht der Eltern zu befreien sucht, hat Tobias Döring sehr genossen. Hier bewundert er das Gespür für Symmetrie und die feine Komik, die den melancholischen Grundton des Buches immer wieder aufhellt. Dozent Griffin versucht nämlich - jeweils auf Reisen zu Hochzeitsfeiern - zunächst die Asche seines Vaters, dann die Asche seiner Mutter angemessen zu verstreuen, was zu skurrilen Situationen führt, so Döring. Der zweite Teil kippt dann aber in den Augen des sehr enttäuschten Rezensenten unversehens in "Slapstick und Klamauk" und hier kann er sich nach dem streng komponierten ersten Teil nur wundern, was mit dem Gefühl Russos für "Proportion" passiert ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2010

Was ist der neue Roman von Richard Russo "Diese alte Sehnsucht" eigentlich genau?, fragt sich Rezensent Christoph Schröder und kommt zum Schluss: Slapstick, differenziertes Familiendrama, Hollywood-Komödie, alles in einem. Drehbuchautor Jack Griffin holt seine Vergangenheit ein. Einerseits will er sich von seinen Eltern emanzipieren, andererseits wird er vielleicht gerade zu dem, was sie einmal waren: Mittelmäßig wohlhabende, aber snobistische Professoren der Literatur, denen es nur um Status und das Sommerhaus auf Cape Cod ging. Schröder jedenfalls ist dieser Mischung aus Unterhaltung, Klamauk und Tiefgang durchaus zugeneigt. Denn, so Schröder, sie sei auf "sympathische Weise hemmungslos sentimental".