Mit ca. 160 farbigen und schwarzweißen Abbildungen. Die Ems-Chemie ist eines der bekanntesten Industrieunternehmen der Schweiz und der wichtigste private Arbeitgeber in Graubünden. Ursprünglich hieß sie Holzverzuckerungs A.G. und war ein Kind der Kriegswirtschaft. Mit öffentlichen Mitteln gebaut und betrieben, stellte sie Ersatztreibstoff aus Holzabfällen her. Als Benzinimporte nach dem Krieg den teuren Treibstoff überflüssig machten, räumte der Bund dem Emser Werk eine subventionierte Übergangsfrist ein. Bis 1955 musste es sich am Markt positionieren - oder dichtmachen. Die waghalsige Transformation zu einem rentablen Chemie-Unternehmen steht im Zentrum dieses Buches. Dank hartnäckiger Recherchen kann die Autorin zeigen, wie Firmengründer Werner Oswald mithilfe deutscher Berater und Spezialisten mit NS-Vergangenheit eine Kunstfaserproduktion aufbaute. Um neue Absatzmöglichkeiten für den Treibstoff zu schaffen, stieg er auch ins Waffengeschäft ein. Ingenieure aus Peenemünde, dem Geburtsort von Hitlers "Wunderwaffe" V2, entwickelten in Ems eine Rakete, andere konstruierten Zünder und Minen, während Schweizer Chemiker an einer Napalm-Variante tüftelten, die später in Kriegen in Burma, Indonesien und im Jemen eingesetzt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2022
Wie eine Mischung aus Spionageroman und Wirtschaftsthriller liest sich für Rezensent Marc Tribelhorn diese verdienstvolle Studie der Historikerin Regula Bochsler zur Entstehung der Emser Chemiewerke. Die Ems-Chemie, die einst dem SVP-Politiker Christoph Blocher gehörte und jetzt von dessen Tochter geführt wird, wurde, wie Tribelhorn nachzeichnet, 1936 von dem rechtskonservativen Unternehmer Werner Oswald gegründet, der mit einem Verfahren der Holzverzuckerung Ersatztreibstoff herstellte und mit Nazi-Deutschland sowie Franco-Spanien Geschäfte machte. Für den Rezensenten ein durch und durch abstoßendes Unternehmen: Oswald hatte die wichtigsten Schweizer Politiker in der Tasche, sein Konzern beschäftigte Altnazis, kassierte schamlos Bundeshilfen und vertickte Billig-Napalm an Pakistan, Indonesien und Ägypten. Tribelhorn kann die Rechercheleistung der Historikerin nicht genug loben, auch wenn er bedauert, dass sie das große Rätsel dieser Industrieholding nicht lösen kann, weil ihr die Konzernarchive verschlossen blieben: Wie konnte dieses Unternehmen auf einmal Gewinne machen, als es vom staatlichen Tropf abgeklemmt wurde?
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