Rebekka Habermas stellt in ihrem Buch zentrale Vorstellungen über eine spezifisch bürgerliche Lebensform zwischen 1750 und 1850, besonders über die bürgerliche Geschlechterordnung, mit Nachdruck in Frage. Mit mikrohistorischer Genauigkeit betrachtet sie die Entwicklung zweier Generationen einer Familie und gelangt zu erstaunlichen Erkenntnissen in den Bereichen Arbeit, gesellschaftliches Leben, Heiraten und Ehe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.09.2000
Nach Thomas Anz wird dieses Buch der "künftigen Bürgertums-, Familien und Geschlechterforschung zu denken" geben müssen. Denn Habermas hat hier, wie der Rezensent betont, nicht nur überraschende und aufschlussreiche Quellenfunde ausgewertet, sondern vor allem auch Diskrepanzen in der äußeren Darstellung und der praktizierten Lebensführung des Bürgertums dieser Zeit aufgezeigt. Das nach außen transportierte "Leistungsethos" der Männer und der Müßiggang der Frauen erweist sich demnach bei genauerer Betrachtung als ein Ideal, das der Realität widerspricht. Aber auch Klischees von der materiell motivierten Ehe, einer Emotionslosigkeit zwischen Eheleuten und auch zwischen Eltern und Kindern müssten nach Habermas revidiert werden. Anz hebt besonders die sorgfältige Auswertung der Quellen durch die Autorin hervor und lobt darüber hinaus ihre "höchst anschauliche Darstellung" von Alltag, Familien- und Gesellschaftsleben der Familie Merkel, die durch Reflexionen über die "Entwicklungen der Geschichtswissenschaft und der Geschlechterforschung" ergänzt werde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.06.2000
Wolfgang Kaschuba glaubt, dass dieser Band „zu Recht Aufmerksamkeit erregen und Kontroversen auslösen wird“. Denn die Autorin hat, wie er feststellt, hier nicht nur eine Studie im traditionellen Stil verfasst, sondern darüber hinaus etwas bei Historikern sehr Ungewöhnliches getan: Sie hat „eine Revision der bisherigen Forschung“ vorgenommen, und zwar eine Revision nicht nur der Forschungsergebnisse, sondern auch eine der Perspektive, des Blickwinkels. Und so komme die Autorin u. a. zu dem Ergebnis, so Kaschuba, dass das Bürgertum keineswegs so homogen war, wie bisher angenommen, sondern beträchtliche „soziale und regionale“ Unterschiede feststellbar sind. Darüber hinaus habe Habermas eine erhebliche Diskrepanz von bürgerlicher Theorie und praktischer Umsetzung diagnostiziert. Schließlich plädiert sie auch für eine Systematik, von der „Geschlechter“ und „Kultur“ nicht ausgeschlossen werden dürfe. Bei ihrer Untersuchung über eine Nürnberger Kaufmannsfamilie hebt Kaschuba die „überaus vielfältigen und aussagekräftigen Quellen“ hervor, durch die Habermas manch überraschende Erkenntnis gewonnen habe. So waren die Bürger von 1750-1850 „offensichtlich einfach weniger fleißig und weniger politisch aktiv, als uns ihre Selbstdarstellungen glauben machen sollen“, wie Kaschuba verwundert feststellt.
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