Raha Nik-Andish

Teheran Tagebücher

Nachrichten aus einem belagerten Land
Cover: Teheran Tagebücher
Ullstein Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783550205026
Paperback, 96 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Asal Dardan und mit einem Vorwort von Gilda Sahebi. "'Hast du Angst, dass es Krieg geben wird?', fragte ich.'Nein', antwortete er, 'ich habe Angst, dass das Leben genauso weitergehen wird wie vorher.'"Der Himmel über Teheran ist schwarz. Der US-israelische Krieg hat begonnen, es regnet Öl, unter den Trümmern liegen Leichen. Der Oberste Führer Chamenei ist tot. Die Menschen singen und tanzen an den Gräbern ihrer Toten - ein Zeichen des Widerstands. Was bedeutet es, in einem Zustand der Belagerung zu leben? Wo Unterdrückung und die totale Angst zum Alltag gehören? Wie kann trotz Blackouts und Internetsperre eine Botschaft nach außen dringen? Raha Nik-Andish, ein ganz gewöhnlicher Einwohner Teherans, dokumentiert das Leben im Iran in den Monaten und Tagen vor dem Kriegsausbruch und währenddessen. Dieses seltene Porträt aus dem Innern der Hauptstadt der Islamischen Republik zeigt ein Regime und eine Gesellschaft am Kipppunkt: die brutal niedergeschlagenen Massenproteste, die leeren Taxis, die durch die Stadt kreisen, die verbarrikadierten Fenster, die Menschen, die sich auf noch mehr Entbehrungen vorbereiten. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.06.2026

Mutig und lesenswert findet Tanja Wessendorf die unter dem Pseudonym Raha Nik-Andishs veröffentlichten Tagebücher aus dem Iran. Vermittelt wird, was uns fehlt, so Wessendorf: Der Blick auf die iranische Kultur und den Alltag in Teheran, das Leben im Zwiespalt zwischen Privatheit und (verbotener) Öffentlichkeit. Das Buch beginnt laut Wessendorf mit den Demonstrationen zu Beginn des Jahres und endet mit den Angriffen der USA. Für Wessendorf ist es ein Bericht aus erster Hand über das tägliche Leid und die vielen vom Regime getöteten Menschen, aber auch über den Horror der Belagerung. Wessendorf warnt vor der Drastik der Schilderungen, die der Autor, ein Hochschuldozent, der sich Geld als Taxifahrer verdient, dem Leser zumutet. Doch es geht auch um  positive Veränderungen im Staat, wie die Erlaubnis für Frauen, Fahrrad zu fahren, teilt Wessendorf mit. Ein faszinierendes Buch und zeitgeschichtliches Dokument, das unseren Blick verändern kann, findet sie. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2026

Rezensent Raphael Geiger hat ein Buch in die Finger bekommen, dass es eigentlich gar nicht geben dürfte, eine Art Kassiber aus dem Iran von heute, auf unergründlichen Wegen nach Deutschland gelangt und übersetzt von Asal Dardan. Unter dem Pseudonym Raha Nik-Andish schreibt hier ein als Fahrer arbeitender Akademiker über die jüngste Vergangenheit in seiner Stadt Teheran, über die Massaker der Regierung und den Krieg, über das tägliche Sterben der Menschen, das Leben ohne Internet und über die Abstumpfung. Die Chronik schlägt Geiger sofort in ihren Bann. Am liebsten möchte er nur zitieren. So werden die Dinge konkret, die wir eigentlich nur vom Hörensagen kennen. Ein "Ausbruch" aus der Stummheit, die das Regime seinem Volk aufgezwungen hat, mein der Kritiker beindruckt, der nach der Lektüre beinahe den Eindruck hat, den Autor persönlich zu kennen.