Piotr Siemion

Picknick am Ende der Nacht

Roman
Cover: Picknick am Ende der Nacht
Volk und Welt Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783353011893
Gebunden, 395 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Wenn Engländer reisen, geschieht oft, was niemand erwartet, selbst im grau-makabren Polen der frühen achtziger Jahre: Ein Theatermann kommt nach Wroclaw, um Ibsens Wildente zu inszenieren, und als erstes findet er sich in der schmutzigkalten Oder wieder. Wer hat ihn hineingestoßen? Er weiß es nicht. Bald aber lernt er die näher kennen, die sich seiner angenommen haben: exzentrische junge Leute, die wissen, dass alles in dieser unmöglichen Welt nichts ist, wenn es nicht Theater ist. Zwei haben es dem Engländer besonders angetan: Carlos, der im Untergrund Radio macht, und die schöne Lidka. Die Freundschaft der drei hält über Grenzen hinweg, und eine gemeinsame Sehnsucht nach der gehassten und geliebten Stadt an der Oder verbindet sie, als sie sich in New York wiederbegegnen. Kein Wunder, dass sie nach Wroclaw zurückkehren, sobald die Nacht des Realsozialismus vorbei ist...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.12.2000

Ein etwas krudes Buch, meint Susanne Messmer, aber doch "mit Herzblut" geschrieben. Der polnische Autor begibt sich in die Perspektive des Fremden, eines Engländers, der 1983 das erste Mal nach Breslau kommt, wo er in eine Clique junger Leute gerät, deren Codes und Geheimnisse sich ihm nicht erschließen, auch nicht als er sie Jahre später in New York wiedertrifft. Messmer hält Siemion für keinen stilsicheren Erzähler; wo er versucht subtil zu werden, neigt er zu Kompliziertheiten, Umständlichkeiten, zum Ornamentalen, stellt die Rezensentin fest. Völlig unakzeptabel findet sie auch die Bettszenen. Von den stilistischen Widrigkeiten abgesehen, betont Messmer Siemions gelungenen Kunstgriff eines Blicks von außen, der es überzeugend ermögliche, die Geschichte des ewigen "Wessis" im undurchdringlichen Osten zu erzählen bzw. der "grotesken Hilflosigkeit des Westens" gegenüber diesem kleinen fernen Nachbarland Ausdruck zu verleihen.
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