Nicht Funktion und Gebrauch zeichnen das Bauhaus aus, sondern Symbolik. Ob Quadrat, Dreieck oder Kreis, ob Wagenfeld-Lampe, Schlemmer-Kopf oder weiße Kuben mit Flachdach: Das Bauhaus hat ikonische Bildzeichen und einen Stil kreiert, der weder funktional noch sozial ist, aber visuell prägnant. Bauhaus-Gründer Walter Gropius zielte von Anfang an darauf, aus dem Bauhaus eine Marke zu entwickeln - mit Erfolg. Sei es in Konsum, Politik oder Kultur: Mehr als achtzig Jahre nach seiner Schließung ist das Bauhaus präsenter als je zuvor. Es ist inzwischen zu einer partizipativen Marke geworden, die nicht mehr zentral gesteuert werden kann, sondern an der unzählige Produzenten und Konsumenten mitgeschrieben haben. Das einstige Verspechen nach Funktionalität und sozialer Verpflichtung bleibt dabei allerdings uneingelöst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2020
Rezensent Michael Mönninger lässt sich von dem Kasseler Architekturprofessor Philipp Oswalt gern den Spaß am Bauhaus verderben. Egal ob Oswalt schreibt, Gropius sei nur ein "Nachahmer" europäischer Künstlergruppen gewesen, nachweist, dass dessen Siedlungen "fatale" Mängel hatten oder darlegt, wie das Bauhaus politisch instrumentalisiert wurde - stets hat der Autor vorbildlich recherchiert und bleibt "sachlich kühl", lobt der Kritiker. Gropius' Gespür für Marketing und Wirkkraft kann ihm Oswalt zudem verdeutlichen, auch über die Wirkungs- und Wahrnehmungsgeschichte des Bauhauses in der frühen Bundesrepublik lernt Mönninger hier viel. Dass Oswalt im Gegensatz zu anderen Autoren das Bauhaus dennoch nicht "diskreditieren" will, sondern schlicht aufklärt, rechnet ihm der Rezensent hoch an. Vor allem aber lobt er den prächtigen Bildkatalog: Eine "Augenweide", meint er.
Rezensent Ronald Berg empfiehlt das Buch des Architekturtheoretikers und langjährigen Direktors der Bauhausstiftung Philipp Oswalt als Korrektiv gegen ein allzu leichtfertig übernommenes Bild des Bauhauses, wie es durch massives Marketing entstanden ist. Wie hohl und beliebig und fern vom historischen Bauhaus dieses Bild ist, vermittelt der Autor laut Berg gerade recht am Ende des Jubijahres, zielsicher und gespickt mit Insiderwissen. Es geht um Distinktionsgewinne, Image und die staatliche geförderte "Touristifizierung" der Marke Bauhaus, erläutert Berg. Für den Rezensenten ganz offenbar ein heilsame Ernüchterung.
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