Philipp Oswalt

Berlin - Stadt ohne Form

Strategien einer anderen Architektur
Cover: Berlin - Stadt ohne Form
Prestel Verlag, München 2000
ISBN 9783791324401
Broschiert, 312 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Rudolf Stegers. Mit zahlreichen Plänen und Illustrationen. Architekten wie Rem Kohlhaas und Daniel Libeskind haben in Berlin zentrale Themen ihrer Arbeit entdeckt und damit die Architekturdebatte der achtziger und neunziger Jahre entscheidend beeinflusst. Aber auch viele jünger internationale Architekten haben sich mit Berliner Aufgaben befasst und dabei eine hochaktuelle und über Berlin hinausreichende Architekturposition forumliert. Im ersten Teil des buchs legt eine Studie die spezifischen gegebenheiten Berlins dar. Im zweiten teil wird eine Vielzahl von Entwürfen und Bauten vorgestellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.06.2001

Johann C. Reidermeister bezeichnet das Erscheinen dieses Bandes als "überfällig", besonders weil hier endlich einmal jemand aufgezeigt habe, dass Berlin sich in seiner Geschichte und Architektur nicht "auf eine einzige Formel reduzieren" lässt. Oswald hat hier - so der Rezensent - anhand von umfangreichen Material zur Geschichte, Einflüssen und Stadtplanung Berlins überzeugend dargestellt, dass sich die Stadt "nicht planen lässt, sondern allenfalls gesteuert werden kann". Gerade bei neueren vom Autor vorgestellten Bauten zeigt sich nach Ansicht Reidermeisters, dass auch "jenseits des offiziellen Formenkanons inspirierte Architektur entstanden ist". Als einen weiteren sehr interessanten Aspekt hebt der Rezensent Oswalds Darstellung vom Stadtumbau hervor, der durch "Herrscherwechsel" bedingt war: etwa der Abriss mittelalterlicher oder barocker Bauten in der wilhelminischen Ära, der Achsenbau während der Nazi-Zeit oder auch der Abriss des Schlosses und der Reichskanzlei. Dies habe sich bis heute nicht geändert, meint Reidermeister, und weist auf den Umgang mit Bauten des Sozialismus hin.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.03.2001

Hanno Rautenberg zeigt sich mit dem Autor dieses Buchs völlig einer Meinung, wenn er die "verpassten Chancen" hinsichtlich der Berliner Stadtplanung beklagt. Und so begrüßt er diesen Band ausdrücklich, in dem, wie der Leser erfährt, zahlreiche originelle Projekte vorgestellt werden, die nie realisiert wurden, "weil sie sich in das offizielle Bau- und Geschichtskonzept der Stadt nicht einpassen wollten". Herausgekommen ist nach Rautenberg "so etwas wie ein Kultbuch", dass seiner Ansicht nach durchaus geeignet ist, jungen frustrierten Architekten Mut zu machen. Was jedoch Philipp Oswalts Essay in diesem Buch betrifft, so zeigt sich der Rezensent geteilter Meinung. Einerseits scheint es Rautenberg zu gefallen, dass Oswalt "kein neues Leitbild formulieren" will. Doch auf der anderen Seite hält der Rezensent die These des Autors, eine Stadt sei ein Organismus, der nicht steuerbar ist, für fragwürdig, weil dies gleichzeitig hieße, sich von "allem Planungswillen zu verabschieden". Mit dieser Haltung kann man nach Rautenberg den Interessen von Großinvestoren kaum wirkungsvoll entgegentreten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2000

Philipp Oswalt will "Alternativen zur `verordneten konservativen Ästhetik`" bei der stadtplanerischen Entwicklung Berlins aufzeigen, so umreißt Rezensent Hans Wolfgang Hoffmann die Zielrichtung des Autors. Hoffmann bescheinigt ihm die Fähigkeit zur stichhaltigen Analyse, eine konkrete "Entwurfstheorie" leitet sich daraus jedoch nicht ab, stellt er fest. Keineswegs überzeugend findet der Rezensent die Argumente gegen die Bebauung von Brachen der Nachkriegszeit, als regelrecht gefährlich wertet er Oswalds Ansichten zu städteplanerischen Überlegungen der Nazis und Nachkriegsplaner. Widersprüchlich findet Hoffmann das Buch vor allem, wenn man von Titel ausgeht: denn zum einen sei nichts gänzlich ohne Form, zum anderem widme sich gerade dieses Buch der Formfindung, nur nach bestimmten eigenen Gesetzmäßigkeiten, analysiert er. Auf ein "Manifest für eine andere Architektur, das der Titel verspricht", könne der Leser jedenfalls nicht hoffen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2000

Der Rezensent mit dem Kürzel "Meu." zeigt sich so angetan von diesem Buch, dass er es gar als "Standardwerk" bezeichnen mag. Zunächst betont "Meu." den Unterschied zu anderen Bildbänden zur Berliner Architektur. "Provokativ" sei dieser Band. Denn neben einer Analyse zur Stadtgeschichte hat Oswalt sein Augenmerk auf das Reaktive gerichtet: "Leere, Kollision, Zerstörung" - etwas ungewöhnlich für die sonst auf "aktiven Handlungen" aufbauende Architekturtheorie. Oswalt lenkt also den Blick weg vom aktiven Gestalter und Städtebauer hin zum "Zaungast", der auf historische Ereignisse lediglich zu reagieren vermag. Dies stellt nach Ansicht des Rezensenten eine wirkliche "Bereicherung der Debatte" zur Architekturtheorie dar.
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