Peter Schneider

Das Fest der Missverständnisse

Erzählungen
Cover: Das Fest der Missverständnisse
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783499227288
Taschenbuch, 184 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Burg verschreibt sein Leben der Erforschung der Medizingeschichte im Nationalsozialismus. Was eher zufällig beginnt, entwickelt sich zu einer zerstörenden Obsession, die auch die Wahrnehmung der Gegenwart zwanghaft überformt. Burg wird zum Pionier einer verspäteten Forschungsrichtung - und verirrt sich. Peter Schneider unternimmt den riskanten Versuch, den Blick von der deutschen Vergangenheit zurück auf einen ihrer Erforscher zu lenken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2003

Jörg Magenau hat in diesem Band mit Erzählungen, die teils älteren Veröffentlichungen entnommen, teils aktuelle Texte sind, sowohl zu Lobendes als auch weniger Lobenswertes gefunden. Der Rezensent stellt zu seiner Überraschung fest, dass die älteren Erzählungen "immer noch aktuell" sind und er lobt ihre "Frische". Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Geschlechterverhältnis, das in vielen Texten eine Rolle spielt, nach wie vor von Interesse und letztlich ungelöst ist, meint der Rezensent. Auch die neuere Erzählung über das innige Verhältnis eines Gescheiterten mit einem- wie sich später herausstellt - ehemaligen Mauerhund lobt Magenau als "unaufdringlich und leise" erzählt, wenn er hier auch bereits die Gefahr der Bedeutungsüberfrachtung dräuen sieht. Immerhin werde hier Bedeutungen nicht "triumphierend vorgeführt", lobt der Rezensent. Bei den aktuellsten Texten allerdings stört in das Bemühen des Autors, seine Botschaften und Überzeugungen allzu angestrengt ins Literarische übertragen zu wollen. Dies ist nach Ansicht des Rezensenten "literarisch wenig ergiebig" und er vermisst hier die "klare und präzise Sprache" und die feinen Beobachtungen, die in anderen Erzählungen durchaus zu finden sind, wie er betont.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2003

Von dem Fluch, auch noch in den mühseligsten Abnabelungsprozessen immer "Produkt einer überlebten Gemeinschaft" zu sein und zu bleiben, handelten die in diesem Band versammelten Erzählungen Peter Schneiders, berichtet Alexander Kissler. Gemeint ist die Gemeinschaft der Achtundsechziger, und so nennt der Rezensent die Erzählungen auch "Nachrufe auf die Achtundsechziger" und "Abgesänge auf Leidenschaft, Lebensmut, Bewusstseinswandel". Ziellos seien die geschilderten Absetzbewegungen zudem allesamt, und in lethargischem Tonfall erzählt, berichtet Kissler, weil Schneider offenbar "an den Sinn jedweden Engagements nicht mehr glauben mag". Da möchte der Leser schon manchmal, schreibt Kissler, zusammen mit den Rebhühnern aus einer der Erzählungen, aus diesem Buch davonfliegen. Der Rezensent freut sich dann aber doch noch, dem Buch weiter gefolgt zu sein, denn dabei hat er dann zumindest noch eine Erzählung, die "Skizze eines Enthüllers" gefunden, die ihm immerhin "in ihrer Selbstironie beachtlich" erscheint. Der Generationsgenosse Schneiders aus dieser Erzählung hat sich, berichtet der Rezensent, wie ein Besessener in die nationalsozialistische Geschichte eingegraben, und ist über die ihm dabei gelingenden Enthüllungen von Verbrechen von Psychiatern so hochmütig geworden, dass am Ende sogar sein Suizid nicht mehr wie eine Anklage an die Gesellschaft, sondern nur noch als Konsequenz einer selbstgerechten Verblendung gelesen werden kann.
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