Peter Burke

Was ist Kulturgeschichte?

Cover: Was ist Kulturgeschichte?
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518584422
Gebunden, 203 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Bischoff. "Gesellschaft" war gestern, heute ist "Kultur" - das Zauberwort der Epoche, und dies nicht nur im akademischen Kontext. Im Zuge dieses Cultural Turn ist auch das ehemals hässliche Entlein unter den historischen Wissenschaften, die Kulturgeschichte, zu neuem Ansehen gelangt und erlebt seit mehr als zwei Jahrzehnten eine veritable Renaissance. Peter Burke, einer der profiliertesten zeitgenössischen Kulturhistoriker, stellt sich in seinem neuen Buch nicht nur die Frage, wie es zu dieser Renaissance kommen konnte, sondern auch, was Kulturgeschichte überhaupt ist bzw. was sie sein sollte. In meisterhafter Beherrschung des Materials, mit leichter Hand und kritischem Blick führt er durch die großen Traditionslinien, Debatten und Paradigmenwechsel seiner Disziplin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005

Die Ausgangsfrage nach einer Definition der Kulturgeschichte, die seit etwa zwei Jahrzehnten eine neue Blüte erlebt, beantwortet der Altmeister der Disziplin Peter Burke nicht, notiert Achim Landwehr. Zwar gebe Burke einen "instruktiven Überblick", nenne Themen, Forschungseinrichtungen und Namen internationaler Kollegen. Doch über eine "sehr ausführliche" kommentierte Bibliografie kommt der Band in den Augen des Rezensenten nicht hinaus, ganz "ohne bösartig sein zu wollen". Burke halte mit seiner Meinung davon, was denn Kulturgeschichten nun wirklich sei, hinter dem Berg und begnüge sich damit, die Vielfalt der Disziplin darzustellen. Landwehr, der diese Meinungslosigkeit auf britische Zurückhaltung zurückführt, empfiehlt den vorliegenden "handlichen Forschungsüberblick" Studenten der höheren Semester, die über die grundlegenden Probleme ihrer Wissenschaft schon hinaus sind. Für Laien auf der einen und gestandene Spezialisten auf der andere Seite hingegen sei der Band weniger geeignet, konstatiert Landwehr.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Eine "vortreffliche Einführung" in die Disziplin der Kulturgeschichte hat Peter Burke da verfasst, lobt Ulrike Brunotte, die nicht nur von der "souveränen Distanz" beeindruckt ist, mit der Burke über die Entwicklung seines Fachs in den vergangenen vierzig Jahren spricht, sondern auch das Erzähltalent des Autors preist. Burke schildert die Genese der Kulturwissenschaft aus Clifford Geertz' Gedanken zur Symbolik der Kultur und Victor Turners Begriff des "sozialen Dramas". Im Hintergrund der Darstellung schwingt auch immer die Frage von einer Definition des expandierenden Kulturbegriffs mit, informiert die Rezensentin. Alles drin also in dieser "meisterhaft ausbalancierten" Zusammenschau einer relativ neuen wissenschaftlichen Disziplin, die von innen wie außen beleuchtet werde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005

Peter Burke ist mit diesem Buch ein Kunststück gelungen, frohlockt der Rezensent Alexis Schwarzenbach. Auf gerade einmal zweihundert Seiten liefere der erfahrene Burke "höchst anregende Einblicke" in das relativ junge und innovationsreiche Fachgebiet der Kulturgeschichte. Besonders gefallen hat dem Rezensenten, dass Burke, anstatt dem Leser lediglich eine historische Anthologie der einschlägigen Werke und Ansätze zu präsentieren, ihn teilhaben lasse an den "Entwicklungen, Problemen und mitunter heftigen Diskussionen", die die Entwicklung der wissenschaftlichen Disziplin begleitet haben. Burke mache deutlich, wie eng und wie außerordentlich fruchtbar sich der Kontakt der Kulturgeschichte mit der Anthropologie gestaltete: Einerseits habe die Auseinandersetzung mit deren "völkerkundlichen Methoden und Denkansätzen" den Blick auf die Alltagskultur gelenkt, andererseits sei der Blick aus der exotischen Ferne "vor die eigene Haustür" gewandert, was eine zunehmende Verdrängung der Sozialgeschichte zur Folge hatte. Sehr interessiert hat den Rezensenten Burkes Schlussthese, nach der die "Neue Kulturgeschichte" - ein Kind der Achtziger Jahre - nun ihren Niedergang erlebt. Dies allerdings, bemerkt der Rezensent, treffe wohl vor allem auf die angelsächsische Welt zu.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2005

In leicht süffisantem, aber doch respektvollem Ton bespricht Eberhard Rathgeb Peter Burkes Einführung in die Kulturgeschichte. Der Rezensent stellt Burke als "sehr alten Hasen" seines Metiers vor und rühmt ihn als würdigen Nachfolger von Geistesgrößen wie Jacob Burckhardt und Johan Huizinga. Die vorliegende Einführung nun verdiene ihren Namen tatsächlich: sie ist "einfach geschreiben, klar gegliedert, freundlich im Ton". Rathgeb hat wenig auszusetzen, bei der Bibliografie vermisst er nichts, und auch ansonsten fasst er eher zusammen, als dass er kritisiert. Hinzuweisen wäre nur noch auf die vom Rezensenten betonte Milde Burkes, der sich in seiner Bewertung kollegialer Arbeiten höchstens zu einigen Bemerkungen über methodische Unzulänglichkeiten hinreißen lässt. "Ein alter Hase beißt sich nicht in einem Salatblatt fest."