Aus dem Englischen von Michael Müller. Mit 24 Bildtafeln. In Großbritannien ist Peter Ackroyd eine Institution. Mit seiner Biographie über London wurde er auch international bekannt. Nun stellt er diesem Standardwerk ein zweites zur Seite: die Biographie über die Themse, jenen Strom, an dem seit vier Jahrtausenden Menschen leben und der untrennbar mit der britischen Geschichte verbunden ist.
Mit Begeisterung ist Rezensentin Susanne Mayer in den Erzählstrom dieser Kulturgeschichte der Themse eingetaucht. Peter Ackroyd diene der Fluss in seinem "visionären" Verfahren der Kulturgeschichtsschreibung als "Traumfuge", denn er blicke durch den Fluss hinab in die Vorzeit. Denn er sei lange dagewesen, bevor es Menschen gab. So sieht sie ihn die nationale Mentalität der Briten formen, und liest an seinen Ufern das "versammelte Strandgut der Hochkultur" von Oxford bis Maidenhead auf, wo der Sachsenfürst Taeppa begraben ist. Die Rezensentin liest gebannt auch von Römern und ihrem Staunen über die widerständigen und kriegsbemalten Völker im Jahre 54 nach Christus, sieht die goldgewandte Anne Boleyn auf dem Fluss auf einer Barke ihrer Hochzeit mit Heinrich VIII. engegengleiten und drei Jahre darauf ihrer Hinrichtung. Immer wieder bannt Ackroyd sie auch mit szenischen, malerischen Beschreibungen, mit Zitaten aus den Veden über die Erzählung eines Flusses, der wie Gott in die Welt eingreife: die Themse, Traumpfad, Stream of Consciousness, an dem sich auch noch das moderne Subjekt des englischen Romans konstituierte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009
Alexander Menden hat aus diesem Buch Peter Ackroyds eine Menge über die Themse gelernt. Er attestiert dem Autor ein ausgiebiges Quellenstudium sowie umfangreiche Recherchen. Das Buch bietet in seinen Augen denn auch eine riesige Fülle von Material und Themen, die aus dem Werk einen "schier unerschöpflichen Informationsquell" machen: Ackroyd behandle die Themse unter anderem als Lebensquell und Selbstmordstätte, als Handelsweg und Bakterienpfuhl, als Trinkwasserreservoir und Inspiration für Künstler und Schriftsteller. Außerdem findet Menden in dem Buch zahlreiche interessante Anekdoten und fesselnde Details. Zwei Punkte hat er indes zu kritisieren: den Hang des Autors, den Leser bisweilen mit einer Flut von Fakten, Daten und Namen regelrecht zu überschwemmen, sowie einen gewissen Zug, den Fluss immer wieder zu mythologisieren.
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