Paulus Böhmer

Kaddish I - X

Cover: Kaddish I - X
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783895611261
Gebunden, 347 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Für Dich, der Du dies liest, ein starres Kokongespinst, durch das die Imago schimmert..." Mit Kaddish I-X legt Paulus Böhmer sein 'opus magnum' vor, ein über Jahrzehnte entstandenes lyrisches Großwerk, wie es in deutscher Sprache lange keines gab - ein literarisches Ereignis, nicht weniger als die poetische Inventur der Welt. Paulus Böhmers Gedichte sind nicht genügsam, sie sind lang. Gern über 10 Seiten hinweg fließt der Wortstrom und wird zu einer "Form des Atmens" (Thomas Hettche). Und er wird zu Klang: Böhmers Gedichte sind nach musikalischen Vorgaben konstruierte symphonische Gefüge. In ihnen findet sich tiefste Trauer, und immer Trotz und Zärtlichkeit. Paulus Böhmer: "Wenn ich mir einen Gott aussuchen könnte, wäre es Eros. Und wenn es ihn gäbe, wäre er in meinen Gedichten: In der leidenschaftlichen Zuwendung an die Welt (und die Menschen, so furchtbar sie oft auch sind)."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2003

Ein lyrisches Großwerk, eine poetische Großtat hat Wulf Segebrecht im Fall von Paulus Böhmers "Kaddish I - X" zu verkünden - so groß, so sehr auch die Extreme suchend, dass den Rezensenten am Ende Zweifel beschleichen, ob der Leser nicht eher Widerstände gegen diese Großartigkeit mobilisieren wird. Denn großartig findet Segebrecht Böhmers "Kaddish"-Gedichte schon, die formal an das jüdische Totengebet anknüpfen und alles, was Böhmer an "Sexualphantasien, Bildungswissen und Skurrilitäten" in den Sinn kommt, unter das "Gesetz der Vergänglichkeit" zwingen. Natürlich haben Sexualphantasien im traditionellen Kaddish nichts zu suchen, erklärt Segebrecht zur Böhmerschen Variante; aber gerade der inflationäre Gebrauch der Kaddish-Form erziele eine gewollte Obszönität und ein Pathos, das von "Weltlust und Weltekel" auf einmal zeuge und den Rezensenten an barocke Dichtung erinnert. Böhmers "Kaddish"-Projekt gehe bis in die 60er Jahre zurück und sei stark von Ginsbergs Underground-Poetik inspiriert, erläutert der Rezensent. Unzweifelhaft seien seine Verse höchst eindringlich und sprachgewaltig, aber ob die anhaltende Hochspannung die Leser nicht auf Dauer abstumpfe, bleibt für Segebrecht eine nicht zu klärende Frage.
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