Besorgt von der Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe Rolf Bücher und Axel Gellhaus. Herausgegeben von Holger Gehle unter Mitarbeit von Andreas Lohr in Verbindung mit Rolf Bücher. Die 33 Gedichte dieses 1959 erschienenen Gedichtbandes - darunter so wichtige Texte wie "Stimmen", "Tenebrae", "Blume" oder "Engführung" - entstanden zwischen 1955 und 1958. Celan selbst schrieb von der Sprache der deutschen Lyrik jener Zeit, sie sei "nüchterner, faktischer" geworden: "Dieser Sprache geht es (...) um Präzision. Sie verklärt nicht, 'poetisiert' nicht, sie nennt und setzt, sie versucht, den Bereich des Gegebenen und des Möglichen auszumessen." Ein Bild solcher Präzision vermittelt auch der Apparatband dieser Ausgabe. Seit den frühen fünfziger Jahren sammelte Celan Vorstufen seiner Gedichte in Mappen und datierte sie. Aber zu keinem anderen seiner Gedichtbände hat der Autor eine solche Vielzahl von Zeugen aus der Entstehungsgeschichte der Texte aufbewahrt. Ihre erstmals vollständige, textgenetisch strukturierte Wiedergabe erlaubt einen tiefen Einblick in die minutiöse, ungemein nuancierte Arbeit Celans an der Entfaltung seiner Dichtung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2003
Seit einiger Zeit verfolgt der Suhrkamp-Verlag eine historisch-kritische Celan-Ausgabe, von der man sich, behauptet Michael Ott, Aufschluss über die teilweise so enigmatischen Gedichte Celans versprochen hatte. Doch schon die ersten Bände der Bonner Celan-Arbeitsstelle hätten deutlich gemacht, resümiert Ott, dass dies ein Trugschluss war und keineswegs von einem linearen, rückverfolgbaren Entstehungsprozess der Texte die Rede sein könnte. Insofern hieß das Resultat, für Ott, philologische Detail-Arbeit, in der einzelne Texte einander zugeordnet und Überarbeitungsschritte deutlich gemacht wurden. Dabei herausgekommen ist eine - außer für Celan-Spezialisten - nicht zu empfehlende, weil fast unlesbare Edition, meint Ott, da zugunsten des "Apparats" auch auf sämtliche Kommentare verzichtet wurde. Im Falle des neu vorliegenden Bandes "Sprachgitter" fühlt sich Ott, bei aller Wertschätzung der philologischen Arbeit, teilweise an eine physikalische Formelsammlung erinnert, da die Gedichte, Verszeilen und ihre Abweichungen teilweise mit bis zu drei Signaturen gekennzeichnet seien.
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