Patricia Duncker

Der tödliche Zwischenraum

Roman
Cover: Der tödliche Zwischenraum
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827004666
Gebunden, 295 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Toby, 18 Jahre alt, lebt in einer englischen Kleinstadt, geborgen im Schoß einer ungewöhnlichen Familie, einem kleinen Matriarchat. Dazu gehört seine Mutter Iso, eine begabte und erfolgreiche Malerin, Tante Luce und deren Geliebte Liberty. Toby ist perfekt eingepasst in diesen Amazonenstaat. Mit dem Geliebten der Mutter bricht plötzlich das männliche Element ein als existentielle Ruhestörung. Im doppelten Kampf um die Liebe der Mutter und die ihres Geliebten entwickelt sich Toby zum fanatischen Spitzel, der jeden ihrer Schritte bewacht und vor allem alles daran setzt, die wahre Identität Roehms aufzudecken ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003

Gustav Seibt stellt uns die Autorin als Germanistin, Romantikforscherin und Verfasserin zweier "literaturwissenschaftlicher Lore-Romane" vor, die ganz offensichtlich nicht seinen Gefallen gefunden haben. Kann es noch ärger kommen? Kann es. Patricia Dunckers jüngster Roman "toppt" seiner Meinung nach ihren bisherigen Hang zum Hochgestochenen. "Der tödliche Zwischenraum" verarbeite auf ungeschickte Weise den Ödipus-Mythos mit dem Frankenstein-Stoff, was Seibt mit den Worten kontert, das heiße "Ossa auf Pelion wälzen", wenn man bedenke, dass schon Frankenstein eine "krude Aufarbeitung" von Faust- und Prometheus-Motiven bedeutete. Wir sehen, dass auch Rezensenten eine gewisse Vorbildung mitbringen müssen, weshalb es dann umso enttäuschender sein dürfte, auf so dürftige geistige Nahrung zu stoßen. Seibt zufolge wimmelt es in dem Roman an verqueren Deutschlandklischees (die Autorin ist Britin), die Nazitum und Frankenstein, Homosexualität und Vatermord, Sophokles und Freud, Wolfsschluchten und Wolfsschanzen zusammenrühren und kurzschließen, dass es dem Rezensenten immer unbehaglicher wird. Dass der Clou der Geschichte von vornherein klar ist und keine unvorhergesehene Wendung mehr nimmt, lässt Seibt dann nicht mehr nur stöhnen, sondern bloß staunen ob soviel hochgestochener Einfallslosigkeit.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.06.2003

Sebastian Domsch ist angenehm verwirrt: "Patricia Dunckers Romane sind nie das, was sie zu sein scheinen". So handele zum Beispiel ihr Debüt "Die Germanistin" gar nicht von einer solchen, sondern von einem schwulen Romanisten. Ihr aktuelles Buch sei eine Mischung aus "Schauerromantik mit ödipalen, gendertheoretischen und literarischen Dreiecksbeziehungen". Dabei zeichne die Autorin ein ödipales Dreieck, "das Freud selbst nicht hätte gleichschenkliger zeichnen können." Duncker baue ein Terrain avancierter Gendertheorien auf, wo jede Grenze überschreitbar scheint und nichts sicher ist, was dazu führt, das der Leser manchmal ein wenig verwirrt vor den verschobenen Geschlechtergrenzen steht.. Und obwohl die Autorin literarischen Vorbildern wie Mary Shelleys "Frankenstein" huldigt, gelinge es ihr, den Leser immer wieder an der Nase herumzuführen. Das mache ihren Roman mehrschichtig "und sowohl als soliden Thriller als auch literarisches Rätselspiel und als psychologische Studie überzeugend", resümiert Domsch.
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