Klappentext
Pascal Mercier ist nun in fünf bisher unveröffentlichten Erzählungen auch als Meister der kurzen Form zu entdecken: Kann ein Mann auf dem Höhepunkt seiner Jahre noch einmal die Zeit seines Aufbruchs ins Leben heraufbeschwören? Wann beschädigt Großzügigkeit die Würde eines Künstlers? Gibt es Emotionen, die unser Verstand nicht mehr erreicht? Noch einmal lernen wir mit Pascal Mercier unvergessliche Figuren kennen, die uns mit ihren Gefühlen und Gedanken sehr nahekommen - und dabei unverhofft Einblicke in unser eigenes Selbst eröffnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.01.2026
Mit diesen nachgelassenen Erzählungen fährt Pascal Mercier leider ziemlich gegen die Wand, befindet Rezensentin Heike Kunert. Wo sich sonst in Romanen zumindest Ansätze philosophischer Gedanken finden, gibt es hier vor allem hölzern-biedere Männerfiguren, die um sich selbst kreisen, Kunert liest beispielsweise gelangweilt von einem Mann, der nach vierzig Jahren wieder in seiner Studentenwohnung übernachtet und über die verstrichene Zeit lamentiert. Auch ein ewig hustender Mann, der mit seiner Geliebten auf die Ergebnisse einer Biopsie wartet, kann sie nicht vom Hocker hauen. Diese Erzählungen wird man wohl dem Vergessen überantworten, resümiert die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2026
Nicht mit allen Erzählungen, die dieser Band versammelt, wird Rezensent Guido Klammerer glücklich. Geschrieben hat die fünf Prosastücke Pascal Mercier aka Peter Bieri, ein Sprachphilosoph mit literarischen Ambitionen, der inzwischen verstorben ist, die Erzählungen stammen aus dem Nachlass. Bieris Technik besteht darin, philosophische Klagen literarisch auszuarbeiten, erfahren wir, es geht um Themen wie Erkenntnis, Freiheit und Zeit. Klammerer geht auf die Handlung dreier Erzählungen näher ein, am besten gefällt ihm eine über einen Mann, der auf das Ergebnis eines wichtigen Gesundheitstests wartet. Hier emanzipiert sich die Geschichte von den theoretischen Überlegungen im Hintergrund, freut sich Klammerer, in einigen anderen Erzählungen gelingt das nicht - vielleicht, überlegt sich der Rezensent, lag Mercier die kurze fiktionale Form nicht so.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.01.2026
In diesem posthum veröffentlichten Buch zeigt sich noch einmal die typischen Merkmale von Pascal Merciers Literatur, befindet Rezensent Oliver Pfohlmann: Der Philosophieprofessor habe sich oftmals mit Fragen nach (innerer) Freiheit und Determinismus auseinandergesetzt, so auch in diesen Erzählungen. Er bedient dabei aber auch reichlich Klischees von mittelalten Männern in einer Lebenskrise und verständnisvollen Ehefrauen, die ansonsten kaum eigene Eigenschaften vorweisen, so Pfohlmann. Dennoch hat er die Geschichten etwa um einen Mann, der das Warten auf einen medizinischen Befund als Zeit unerwarteter Freiheit begreift, ganz gerne gelesen, weil in den kurzen Abschnitten doch ein Element des Rätselhaften stecke.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.01.2026
Die schwerwiegenden philosophischen Fragen, mit denen sich Peter Bieri alias Pascal Mercier als Philosoph befasst hat, behandelt er auch in seinen Erzählungen - wie immer mit beeindruckender Leichtigkeit, konzentriert aufs Wesentlichste und nur ganz selten etwas unbeholfen, freut sich Rezensentin Meike Feßmann, die dankbar ist, dass diese fünf Geschichten im Nachlass des Autros geborgen wurden. Eindrückliche und berührend erzählt Mercier vom "Verfließen der Zeit" und entzauberten Erinnerungen, von Räumen der Geborgenheit, und der schwierigen Trennung von dieses Räumen. So macht er auch deutlich, wie sehr solche Orte unsere Identität prägen können, wie stark wir also an sie gebunden sind und wie grundlegend daher auch das Recht auf Wohnraum ist. Das lässt sich sowohl existenziell, als auch politisch deuten, so die berührte Rezensentin.
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