Die Eskimo-Lösung
Roman

Septime Verlag, Wien 2025
ISBN
9783991200703
Gebunden, 144 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Felix Mayer. "Es ist die Geschichte eines Mannes, Louis mit Namen, um die vierzig, ein netter Kerl, aber dauernd abgebrannt, der seine Mutter umbringt, um an das Erbe zu kommen." Auf diese leicht aberwitzige Idee für eine Geschichte kommt ein Schriftsteller, der sich an die Küste der Normandie zurückgezogen hat, um seinen nächsten Roman zu schreiben. Schon bald ermordet Louis mit ausgesuchter Gönnerhaftigkeit und Diskretion auch die Eltern seiner Freunde - was diesen ein sorgenfreies Leben verschafft. Doch der in sich gekehrte und zurückgezogen lebende Autor kommt durch die Ansprüche seiner Familie und seiner Freunde zunehmend in Bedrängnis und gerät immer mehr unter den verstörenden Einfluss einer Frau. Und schon bald verschwimmt sein Alltag auf befremdliche Weise mit dem seiner Figuren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.01.2026
Rezensentin Sylvia Staude ist eingenommen von dem bitterbösen Ton dieses schmalen, Krimi-artigen Textes des französischen Schriftstellers. Darin möchte der misanthropische Ich-Erzähler, ein namenlos bleibender Kinderbuchautor, seinen Ruf ändern und stattdessen ein Buch über einen Mann schreiben, der seine Mutter umbringt, um schneller an sein Erbe zu kommen. Trotz Bedenken seiner Lektorin, schreibt der Ich-Erzähler das Buch und verwandelt sich im Laufe der Arbeit immer mehr in seinen Protagonisten Louis, fasst die Kritikerin zusammen. Faszinierend sei die zynische Weltsicht des Erzählers, der moralentfernt und wutentbrannt auf seine Mitmenschen und sich selbst blicke, ja in dem frühzeitigen Tod älterer Menschen sogar eine bessere Alternative zu ihrem Verwesen in Pflegeanstalten sehe. Dass die Sprache sich dieser Drastik anzupassen und sie zu erweitern weiß, ist für Staude das Außergewöhnliche an diesem französischen Noir.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.12.2025
Rezensent Thomas Wörtche ist ein Fan der unkonventionellen, kurzen Noir-Romane Pascal Garniers und auch der hier vorliegende gefällt ihm ganz vorzüglich. Der Plot dreht sich um einen Kinderbuchautor, der ein wenig sympathischer Geselle ist, mit Leuten befreundet ist, die ihre Schwiegermütter aus Fenstern werfen, selbst mit der noch nicht volljährigen Tochter seiner Partnerin Sex hat - und, so Wörtche, ein Buch über einen gewissen Louis schreibt, der gern und oft alte Leute um die Ecke bringt, um sich oder Bekannten materielle Vorteile zu erschleichen. Auf solche Altenmorde verweist auch die Eskimo-Lösung des Titels, beschreibt Wörtche, der allerdings klarstellt, dass es Garnier keineswegs um Ethnologie, oder auch nur um Politik und Soziologie geht. Eher um eine schrittweise Überblendung des Schriftstellers mit seiner Hauptfigur Louis sowie um eine konsequente Düstermalerei, die absolut alles, vom Essen übers Wetter bis zur lieben Verwandtschaft, im denkbar schlechtesten Licht dastehen lässt - wobei das Besondere laut Rezensent dann genau darin besteht, dass das Buch gerade an den finstersten Stellen ins Komische kippt und sich insgesamt eher licht und heiter anfühlt. Was Wörtche schlichtweg super findet.