Özge Inan

Die Dichterin

Roman
Cover: Die Dichterin
Piper Verlag, München 2026
ISBN 9783492074896
Gebunden, 224 Seiten, 24 EUR

Klappentext

Emma Rodenstock ist ein Phänomen. Kritik, Talkshows und Publikum reißen sich um die junge Dichterin aus der Unterschicht. Sie gibt der Debatte um Klassismus und Privilegien ein Gesicht. Bis Nazanin Esfahani, aufstrebende Journalistin, eine Unstimmigkeit in ihrer Geschichte findet. Sehr bald taucht auch eine zweite Lyrikerin auf, die Emmas Texte geschrieben haben will. Kann das wahr sein? Es wäre ein handfester Skandal. Und für Nazanin ein Coup. Doch wem ist damit geholfen? Und wem schadet es? Ein Roman über die Macht von Geschichten in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2026

Rezensent Ronen Steinke findet den Roman von Özge Inan über einen hochstapelnden Lyrikstar und ihren journalistischen Gegenpart wenig überzeugend. Blass die Figuren, unsichtbar die inneren Kämpfe, floskelhaft die Sprache, flach die Atmosphäre meint er bedauernd. Schade, findet Steinke, denn die Plot-Idee ist gut und sehr aktuell. Was eine Biografie-Betrügerin denkt und fühlt, erfährt der Leser nicht in diesem Buch, so Steinke, der sich am Ende fragt, wie er überhaupt den langen inneren Monologen der Protagonistin so geduldig folgen konnte. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.08.2026

Nicht unfreundlich, aber auch nicht vollends begeistert bespricht Rezensent Valentin Wölflmaier Özge İnans Roman über die "Aufmerksamkeitsökonomie" im Literaturbetrieb. Es geht um zwei Frauen, einmal der Literatur-Shootingstar Emma Rodenstock, die es mit ihrer, scheinbar autobiografisch inspirierten, Klassenkampfliteratur zu Ruhm bringt, und die Volontärin Nazanin Esfahani. Die möchte eigentlich einen Artikel über Emma schreiben, kommt dabei aber Ungereimtheiten auf die Spur, verrät der Kritiker und muss sich fragen, ob Emma ihre für die Karriere so wichtige Identität vielleicht erschwindelt hat. Die Suche nach der Wahrheit wird zum "Motor" des Romans, inklusive rascher Perspektivwechsel, bei denen jeweils nah an Emma oder Nazanin erzählt wird. Die Fragen nach Authentizität, Identität, politischer Korrektheit und der Heuchelei des Literaturbetriebs diesbezüglich stellt der Roman durchaus zurecht, befindet der Kritiker. Allerdings: So ganz neu sind diese Fragen auch wieder nicht. Nichtdestotrotz kann sich der Kritiker vor allem für die beiden Protagonistinnen begeistern, "spannende Kippfiguren", die sich ähnlicher sind als es auf den ersten Blick scheint. 

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