Aus dem Englischen von Susann Urban. Jebleeh, der seit Jahren in Amerika lebt, kehrt für einen Besuch in seine Heimatstadt zurück, begleitet von seinem Schwiegersohn Malik, einem Journalisten, der über die Unruhen in der Region schreiben will. Im Jahr 2006 ist Mogadischu vom Bürgerkrieg gezeichnet, die Stimmung beklemmend. Das Chaos einer von Warlords besetzten Stadt, das Jebleeh von seinem letzten Besuch erinnert, ist nun einer unheimlichen Ruhe gewichen, die von den allgegenwärtigen peitschentragenden Männern in weißen Mänteln den Schergen der islamistischen Organisation Al-Shabaab noch verstärkt wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2013
Nuruddin Farahs Roman "Gekapert", der sich mit dem Thema Piraterie befasst, hat Angela Schader nicht wirklich überzeugt. Zwar attestiert sie dem Autor gute Recherchen. Aber sie vermisst das literarische Moment. So moniert sie, dass Farah bei seinem Versuch, aus dem Stoff einen Roman zu formen, wenig Mühe auf differenzierte und psychologisch plausible Figuren gelegt hat. Ihr fehlt ebenso eine lebendige und atmosphärische Darstellung. Außerdem hat sie den Eindruck, dass eine der Hauptfiguren, ein Journalist, der sich die Verbindungen zwischen Piraten, Milizen und auswärtigen Akteuren aufdecken will, nur dazu dient, "ohne jeden erzählerischen Aufwand" Informationen in den Roman einzubringen. Das Buch besteht in ihren Augen vor allem aus Gesprächen, Diskussionen, Begegnungen und Wendungen, an denen sich die Handlung entlang hangelt. Ihr Fazit: das Buch wäre besser geworden, wenn der Autor ein Sachbuch oder einen Essay aus seinem Stoff gemacht hätte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.06.2013
Als "großes, leidenschaftliches Plädoyer" für sein Heimatland Somalia hat Sabine Vogel den neuen Roman des seit vierzig Jahren im amerikanischen Exil lebenden Nuruddin Farah gelesen. "Gekapert" beschreibt ein von Gewalt und Terror verwüstetes Land: Islamistische Milizen ziehen mit Peitschen durch die Städte, Piraten kapern für ihre internationalen Auftraggeber Schiffe, Fischer verhungern, Jugendliche tanzen auf toten Körpern herum und zwischendurch jagt eine amerikanische Drohne durch die Luft. Aufatmen kann die Rezensentin nur in den Oasen der Zivilisation, die Farah aber durchaus auch in seinen Roman einzubauen weiß. Bedrückend, beklemmend und irritierend findet Vogel den Roman, was - eher ungewollt - durch das "lausige Lektorat" noch verstärkt werde.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…