Nawal El Saadawi

Die Frau und Sex

Cover: Die Frau und Sex
Gamila Verlag, Basel 2025
ISBN 9783819444425
Kartoniert, 236 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

"Die Frau und Sex" ist das Buch, mit dem Nawal El Saadawi eine ganze Generation aufgerüttelt hat. In einer einzigartigen Verbindung aus persönlichem Engagement, medizinischem Wissen und politischer Klarheit entlarvt sie die Mechanismen sexueller und sozialer Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt - und darüber hinaus. Sie spricht sie über weibliche Sexualität, Genitalverstümmelung, religiöse Dogmen und patriarchale Macht. Dieses Buch ist nicht nur ein feministischer Klassiker, sondern ein Aufruf zur Befreiung. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2026

Rezensentin Amira El Ahl macht auf die deutsche Ausgabe des Buches der ägyptischen Ärztin und Feministin Nawal El Saadawi aufmerksam, das vor 50 Jahren im arabischen Original erschien und die Autorin zu einer Ikone der Frauenrechte machte, aber auch zu einer im arabischen Raum viel gehassten Person. Dass das Buch über die Beziehungen zwischen Religion, Sexualität und Macht Spuren des Alters trägt, etwa wenn die Autorin Homosexualität als "Störung" begreift, muss der Leser laut El Ahl akzeptieren. Dafür erhält er erschütternde Einblicke in die Strukturen und Funktionsweisen sexueller Unterdrückung in der arabischen Welt, namentlich die Genitalverstümmelung, erklärt die Rezensentin. Für die damaligen Leserinnen war das Buch auch ein Vademekum in weiblicher Sexualität, so El Ahl. El Saadawis Erfahrungen und Wissen als Ärztin prägen den Band, meint sie. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2026

Endlich liegt dieser feministische Klassiker in deutscher Übersetzung vor, nach einer englischen Vorlage, die aus dem Arabischen übertragen wurde, jubelt Rezensentin Caroline O. Jebens. Geschrieben hat ihn die ägyptische Autorin Nawal El Saadawi, die sich in dem ursprünglich 1971 erschienenen Buch mit der Unterdrückung der Frau und auch der weiblichen Sexualität auseinander setzt. Das Buch räumt dabei mit teils heute noch verbreiteten Vorurteilen über Menstruation oder weibliche Orgasmen auf. Schuld am Elend sei in ihren Augen vor allem die Ehe, die ungleiche Geschlechterverhältnisse zementiert. Anders als in späteren Schriften kritisiert El Saadawi den Islam nicht allzu sehr, wobei sie Religion im Allgemeinen und auch den Kapitalismus durchaus als Helfeshelfer des Patriarchats identifiziert, so Holm. Obwohl El Saadawi sich als Sozialistin versteht, kommen freilich auch die damaligen Ostblockländer nicht gut weg. Manche Passagen dieses Buches hätten eine bessere Einordnung vertragen, findet Jebens, der Forschungsstand hat sich geändert und die Ausführungen der Autorin zu Homosexualität sind nicht mehr zeitgemäß. Gleichwohl ist es ausgesprochen wichtig, dass dieses Buch nun endlich auf Deutsch erhältlich ist und eine in vielem erstaunlich moderne feministische Position sichtbar macht, die unter anderem intersektionales Denken mit Universalismus verbindet.