Klappentext

Alle Türen, sind sie auf oder geschlossen? Die Operette würde immer behaupten: sie sind beides. Sie finden dort Flügeltüren, Tunnel und Tapetentüren, spukhafte Geistertüren und die Türen, die sich in der Welle auftun, um einen zu verschlingen und an ganz anderer Stelle abzuliefern. Nicht zu schweigen: von den Türen, die auf die Bühne gehen, Dielen, bevölkert mit Füchsen und Faunen, humanen und posthumanen Agenten, dem aufgekratzten Operettenchor. Die Kulissen stammen aus dem Hause Negativität&Ramsch und werden von Fasanen geschoben. Alles liegt offen da, das Licht ist silbern, die Tage überblenden, niemand verlässt den Raum.
Monika Rinck lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die Frau als Mensch, die Unbeständigkeit der Wilden Seele, die Grand-Duchesse von Gerolstein, den Grand Pacific Garbage Patch und die allgegenwärtige Groteske der Grenzen und deutsche Dünnhäutigkeit.Doch bei aller Ausgelassenheit geht es in "Alle Türen" um die Grenze, den Ausschluss, das Wegerecht, die freie und die versperrte Passage. Das sind die Grenzen der Operette. Wer sich eben noch frohen Muts in den Strudel hineinwarf, wird jetzt von Plastikmüll umkreist und die Temperaturen steigen. Nicht zuletzt ist "Alle Türen" eine tiefe Verbeugung vor Jacques Offenbach, der im Jahr 2019 seinen 200. Geburtstag feiert. Ein ruhigeres Schlusskapitel, das den Titel MERCIträgt, gedenkt der Toten, bedankt sich und schnauft kräftig aus. Das könnte gerade noch gut gegangen sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019

Rezensent Patrick Bahners lässt sich als Leser entfesseln von Monika Rincks Gedichten. Rincks Idee, Lyrik künftig bei Sachbuch einzuordnen, kann er etwas abgewinnen, auch, da die Autorin in ihren Texten "Vergessenes und Verworfenes" montiert, Kracauer und Jacques Offenbach zitiert und den Leser desöfteren nachschlagen lässt. Das berauscht, meint Bahners. Nicht weniger halluzinatorisch wirken auf ihn Rincks Assoziationen, beflügelt von Wortklängen. Ein toller "Wortspielhimmel", findet er.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2019

Rezensentin Meike Fessmann lässt sich immer wieder gern ein auf die lyrische Welt der Monika Rinck, die wie keine Zweite Schwung, Kraft Witz, "Verlangen und eine kleine Portion Koketterie" mixt. Und doch muss die Kritikerin im inzwischen vierten Gedichtband der studierten Religionswissenschaftlerin und Sprachakrobatin Abnutzungserscheinungen feststellen: Das "Leuchten" ihrer Lyrik will sich in diesen "Gelegenheitstexten" nicht recht einstellen, mit Ausnahmen natürlich, wie Fessmann etwa mit Blick auf das Gedicht "Schnauf" vermerkt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.05.2019

Rezensent Tobias Lehmkuhl geht angenehm aufgeregt hervor aus der Lektüre von Monika Rincks neuem Gedichtband. Die Verwirrung, die die Dichterin mit schlichtem Überfluss an Gestalten und Gedanken stiftet, findet er heilsam. Wozu auch Sinn und ästhetischer Mehrwert, wenn radikale Anarchie möglich ist? Was poetische Freiheit bedeutet, illustriert ihm die Autorin mit Niveau, allerhand albernen Reimen, Kalauern, banalen Alltagsdingen und schrägen Gesängen nach dem Prinzip Operette. Ein Riesenspaß, versichert der Rezensent.
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