Miriam Böttger
Aus dem Haus
Roman

Galiani Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783869713052
Gebunden, 224 Seiten, 23,00 EUR
ISBN 9783869713052
Gebunden, 224 Seiten, 23,00 EUR
Klappentext
"Eigentlich ist jede Familie eine Sekte für sich, mit irgendeiner speziellen Idee oder Wahnvorstellung, um die alles kreist", grübelt die Ich-Erzählerin in Miriam Böttgers Roman. "Oft sind dies naheliegende Dinge wie Genialität der Kinder, Akademikertum, Geld, Fitness, gesellschaftlicher Status." Manchmal allerdings auch Abwegiges. Die fixe Idee ihrer Familie besteht in der Überzeugung, im Leben immer nur Pech zu haben, in der Annahme einer familiären Unglücksprädisposition. Und die physische Manifestation dieser Idee ist das HAUS der Familie, das auf andere hell und unschuldig wirken mag, das seine Bewohner jedoch, darin sind sie sich einig, jahrzehntelang am Leben gehindert hat. Als die Eltern beschließen, das HAUS endlich aufzugeben und in eine kleinere Wohnung zu ziehen, müsste dies eigentlich eine Erleichterung sein. Doch kaum verkauft, erscheint der Unglücksmagnet in völlig neuem Licht. Während der Tag des Umzugs näher rückt, werden die Lageberichte des Vaters, die die Tochter täglich telefonisch einholt, immer bizarrer. Und sie begreift, dass es hier um etwas ganz anderes geht als um einen Umzug.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2024
Familiengeschichten gehören fest ins Repertoire der großen Weltliteratur, hält Rezensentin Rose-Maria Gropp fest, Miriam Böttgers autobiografisch inspiriertes Debüt bildet da keine Ausnahme: Zentraler Charakter ist das Haus, das die Eltern gebaut haben und in das die Protagonistin nach ihrem Auszug nur noch gelegentlich zurückkehrt. Die Mutter, als "Hohepriesterin des Unglücklichseins", findet darin ständig Grund zur Beschwerde, der Vater weiß dem nichts entgegenzusetzen, damit hängt auch Traumatisches zusammen, wie Gropp erklärt. Dennoch ist die Geschichte keineswegs trübsinnig, versichert sie, sondern im Gegenteil vom Humor der Autorin geprägt, die von einer leicht seltsamen und darin ziemlich normalen Familie erzählt.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.12.2024
Ein herrliches Buch über notorisches Schwarzsehen liest Rezensentin Elke Schlinsog. Miriam Böttger erzählt darin die Geschichte einer Familie, die sich über alles und jeden ausführlichst beschwert, zum Beispiel auch über Kassel, die Stadt, in der das Elternhaus steht. Erzählt aus der Perspektive der Tochter, die auf die Leiden des Aufwachsens zurückblickt, besticht das Buch laut Schlinsog mit höchst amüsanten Beschreibungen diverser auf unterschiedliche Art beschädigter Familienmitglieder, wobei vor allem die Mutter hervorsticht, die ihre schlechte Laune emotionsgeladen und teils geradezu lustvoll zelebriert. Wie Familie Menschen aufs Unglücklichsein eicht, beschreibt dieses Buch auf wunderbare Weise, findet die Rezensentin, die sich im besten Sinne an Thomas Bernhard erinnert fühlt und die Veröffentlichung allen ans Herz legt, die das eine oder andere Familientreffen noch vor sich haben.
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