Der Gesundheitsmarkt wirkt wie entfesselt, immer mehr Akteure, Indikationen, Methoden konkurrieren um Aufmerksamkeit. Michelle Hildebrandt zeigt, wie Unternehmen, aber auch Ärzte und die Alternativmedizin aus wirtschaftlichen Interessen Patienten "fangen" - und wie wir uns das gerne gefallen lassen. Immer mehr Menschen werden daher unnötig oder falsch mit Medikamenten und Therapien behandelt, während zugleich unseriöse Anbieter teilweise gefährliche Methoden propagieren, statt zu lebensrettender Diagnostik aufzufordern. Damit Patienten ihre selbst verschuldete Unmündigkeit überwinden können, ist daher Wissen nötig - Michelle Hildebrandts Buch leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2022
Rezensent Stephan Sahm seufzt: So interessant der Titel auch klingt, so wenig ergiebig erscheint ihm der Inhalt dieses Buches der Psychiaterin Michelle Hildebrandt. Der Kritiker erfährt hier zwar, wie schwierig beziehungsweise unmöglich es ist, von gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für "Lifestyle"-Behandlungen, etwa für die Einnahme von Viagra, zu erhalten. Vom engen Verhältnis vieler Ärzte zur Pharmaindustrie oder von der "heiklen" Kooperation der Industrie mit Patientenvereinigungen liest er hier hingegen leider nichts. Ungenauigkeiten wie die Verwechslung von Viren und Bakterien oder Plattitüden, etwa wenn Hildebrandt den Anstieg der Fälle von Transsexualität damit erklärt, es sei heute "hip, queer zu sein", tragen ebenfalls nicht unbedingt zur Lesefreude des Kritikers bei. Vieles in diesem Buch hat man bereits bei Ivan Illich gelesen - und zwar vor fünfzig Jahren, meint Sahm.
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