Micheil Dschawachischwili

Das Samtkleid

Erzählungen
Cover: Das Samtkleid
Arco Verlag, Wuppertal 2018
ISBN 9783938375938
Gebunden, 248 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ausgewählt und aus dem Georgischen übersetzt von Kristiane Lichtenfeld. Micheil Dschawachischwilis Erzählungen spielen zwischen Stadt und Land, zwischen Moderne und Tradition und führen nach Tiflis und bis nach Paris. Viele von ihnen rufen eine Epoche der Unruhe und der Umwälzungen wach, wie sie auch in sein Leben eingriffen: die Jahre von der russischen Revolution von 1905 bis zu der von 1917, von der georgischen Unabhängigkeit 1921 bis zu deren Zerschlagung nur drei Jahre später.
Immer wieder portraitiert Dschawachischwili vermeintlich Schwache, die "Erniedrigten und Beleidigten": den Liliputaner "Tschantura", der zur Jahrmarktsattraktion gemacht wird, oder Frauen, die männlicher Willkür und Gewalt ausgesetzt sind. Es geht um Liebe und Leidenschaft, um Not und um Verluste von geliebten Menschen, um "Schuld und Sühne" oder unerwartete Fügungen des Schicksals. Zu den eindrucksvollsten Erzählungen gehört "Der Stein des Teufels" um die Entfesselung einer Masse von Menschen, die schließlich zur Selbstjustiz greifen und so von Opfern zu Tätern werden. In der Titelerzählung versucht ein junger Witwer mit dem Samtkleid seiner verstorbenen Frau zu leben, als sei es sie selbst. Während Dschawachischwili heute als Romancier bekannter ist, zeigen gerade die hier gesammelten Erzählungen seine ganze Vielfalt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2019

Rezensent Tilman Spreckelsen empfiehlt die Erzählungen des Georgiers Micheil Dschawachischwili. Die gedemütigten, gequälten Figuren in den zum Teil erstmals auf Deutsch zu lesenden Texten aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts haben es Spreckelsen angetan. Vor allem die distanzierte, scheinbar objektive Erzählhaltung findet er spannend, als beobachte und beschreibe der Autor nur das Vorgefundene, erklärt Spreckelsen. Dass dem Leser auf die Art Raum für eigene Vorstellungen gelassen wird, führt laut Rezensent zu verblüffenden Effekten. Neben frühen Meisterwerken enthält der Band auch spätere, systemkritische Texte, die Spreckelsen ahnen lassen, warum Stalin diesen Autor fürchtete.
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