Regina und Michael von Brück haben eine Zeit lang in einem indischen Ashram gelebt, an den dortigen Ritualen teilgenommen und Gespräche mit dem spirituellen Lehrer Swami Nityananda Giri geführt. Ihr neues Buch beruht auf diesen Erfahrungen und Erkenntnissen. Sie beschreiben, wie Rituale Übergänge in neue Lebensabschnitte gestalten und welche Rolle dabei Gottheiten, Gurus und spirituelle Weltbilder spielen. So wird über die indischen Erfahrungen und Mythen hinaus deutlich, warum auch wir Rituale brauchen: weil sie das Leben des Individuums wie der Gemeinschaft stabilisieren und dabei helfen, sich durch Schicksalsschläge nicht aus der Lebensbahn werfen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2011
Axel Michaels befasst sich mit einem Buch des deutschen Religionswissenschaftlers Michael von Brück und seiner Frau Regina. Dass sich das deutsche Indienbild gerne esoterisch färbt und soziale Realitäten ausgeblendet werden, sieht er beim Lesen bestätigt. Was das Autorenpaar bei seinen regelmäßigen Ashrambesuchen an religiösen und spirituellen Erfahrungen zusammenträgt und bezüglich der Ritualität aus dem hinduistischen Gottesdienst und den Gesprächen mit ihrem Guru lernt, kann Michaels hier nachlesen. Der Rezensent vermisst dabei nicht nur die Einbeziehung neuerer Erkenntnisse aus der Ritualforschung, namentlich der negativen Aspekte wie etwa das Schrumpfen von Handlungsmacht und Reflexivität. Für eine differenzierte Betrachtung erscheint ihm Blick der Autoren überhaupt zu eng gefasst, zu subjektiv, idealisierend und allzu sehr von normativen Schriften beeinflusst.
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