Michael Schindhelm

Roberts Reise

Roman
Cover: Roberts Reise
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München - Stuttgart 2000
ISBN 9783421053305
gebunden, 314 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Ein hellerleuchtetes, leeres Sanatorium für Parteigrößen, während die Silvesterwelt der DDR rundum im Dunkel versinkt - der junge Robert sucht seinen Weg in einer Welt, die ihm nicht zur Heimat werden will. Auch nicht, als sich diese Welt plötzlich nach Westen öffnet. Bis heute nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2000

Was für ein ungemein freundlicher Verriss! Lothar Müller gesteht dem Autor gern zu, dass sein Leben genug Stoff für eine interessante Biografie hergibt. Aber warum dann die Namen ändern und das Etikett Roman draufkleben, fragt sich der Rezensent. Denn erst dieses Etikett rückt nach seiner Auffassung die Mängel so recht ins Licht: Schindhelm beherrscht den "unbeschwerten Plauderton" des Anekdotenerzählers vorzüglich, meint Müller, aber die Darstellung der Nebenfiguren " will sich der leichten Hand nicht fügen". Müller bemängelt auch, dass immer wieder Freunde oder Geliebte - sogar das eigene Kind - einfach aus der Handlung verschwinden und "unerlöst" durch den Roman spuken. Wirklich gelungen findet der Rezensent nur die Passagen über Studium und Leben von Autor/Hauptfigur in Woronesch - wenn Schindhelm "nur Details notiert" und sich aller "essayistischen Ornamente" enthält.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.04.2000

Warum "Roberts Reise" von Michael Schindhelm als Roman veröffentlicht wurde, mag Hans-Peter Kunisch nicht einsehen. Der Text sei trotz Vor- und Rückblenden im Erzählverlauf recht einfach strukturiert und zudem unverschleiert autobiografisch. Insgesamt jedoch ist Kunisch angetan von diesem Buch: "ostalgiefrei und ohne opportunistische Anpassung" beschreibe Schindhelm sein Leben in der DDR. Den Verdacht der Nähe zum Kitsch, der gelegentlich bei den Schilderungen von ländlicher Idylle aufkomme, schreibt sich der Rezensent als "Abwehr der eigenen Sentimentalität" selber zu. Der Autor sei schon jenseits einer zynischen Haltung, und die Folge sei ein "radikaler Fundamentalismus"; dieser sei jedoch frei von jeder Naivität. Kunisch stellt den Roman in eine Reihe mit Texten von Rainald Goetz, Houellebecq und Peter Handke, deren "Ästhetik des Augenblicks" er teile. Für die Zukunft dieses Autors gelte, dass er die schwierige Gradwanderung " zwischen Kitsch und Erhabenen", die ihm in diesem Buch gelungen sei, weiterhin meistern müsse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.03.2000

Ursula März nimmt Michael Schindhelms Romandebüt unter die Lupe, ein Buch, das März zufolge autobiographisch ist. Deshalb widmet sie sich zunächst dem Autor und seinem Leben, umreißt kurz den Weg vom Chemiestudium im sowjetischen Woronesch bis zur Übernahme der Intendanz des Baseler Theaters. Dann geißelt sie Verlag und Autor, wirft ihnen vor, die Schwierigkeit, aus einem interessanten Leben auch ein interessantes Buch zu machen, "eklatant unterschätzt" zu haben. Schindhelm bescheinigt sie ein "hochergeiziges Verhältnis zu Metaphern", dem Roman den "Appeal eines verdrehten und intellektuellen Thesenschwulstes". Etwas verbissen stürzt sie sich dann in Schindhelms Sentenzen: seziert, zitiert, führt vor und senkt den Daumen.