Michael Krüger

Das falsche Haus

Eine Novelle
Cover: Das falsche Haus
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413494
Gebunden, 176 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

"Eigentümlich, wie schnell sich die Welt verändern kann, wenn man sie herausfordert." Wie sehr der Ich-Erzähler in Michael Krügers falschem Haus damit recht behalten soll, ahnt er noch nicht, als er in seinem beschmutzten Hemd vor einer alten Villa steht. Eigentlich ist der Redakteur einer Zeitung aus Süddeutschland nur in Hamburg, um einen Artikel über den Kongress des Verbandes der Bibliothekare zu schreiben. Doch auf dem Weg ins Hotel landet der Ball eines Jungen auf seinem Hemd und hinterlässt einen gewaltigen Fleck. Misstrauisch einerseits, mit der Aussicht auf ein frisches Hemd andererseits, folgt er der Einladung der Mutter des Jungen in das "falsche Haus".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2003

Michael Krüger hat Angelika Overath verführt: Noch stockenden Atems resümiert sie die Handlung, wird dabei sogar ein wenig zu ausführlich, um dem interessierten Lesern der Rezension deutlich zu machen, welch "kulturkritische Melancholie", aber auch welche formale Vollendung in dieser Novelle walten. Offensichtlich handelt es sich um eine hochkultivierte, aber sterbende Welt, die der Held der Erzählung, ein etwas abseitiger, aber von seinen Arbeitgebern offensichtlich geduldeter Kulturjournalist, im Hamburger Haus einer "ausgemergelten Blondine" vorfindet. Es geht weiterhin um dekadent-barbarische baltische Barone und verführungsmächtige koboldhafte Knaben - all das also, was so einem Kulturjournalisten in seinem schweren Beruf tagtäglich begegnet. Auch eine "unerhörte Begebenheit" scheint sich in der Novelle zu finden, so wie es die Novellentheorie seit eh und je vorsieht. Aber Overath ist eine viel zu gute Rezensentin, als dass sie sich zu mehr als Anspielungen hinreißen ließe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.01.2003

Erst mal erzählt Burkhard Müller vom Helden dieses Buchs, der sich ohne klares Ziel als Privatgelehrter durch die Welt forscht und in Hamburg einer Frau begegnet, die ihn, ihr Sohn hat das Hemd beschmutzt, neu einkleidet. So weit, so vielversprechend, findet der Rezensent. Dann aber, bedauert er, verliert sich die bis dahin mit "lässiger Konzentration" erzählte Novelle ins Beliebige. Ein alter Nazi im Rollstuhl taucht auf, Beziehungen werden hergestellt zwischen dem Forschungsgebiet des Helden (der südamerikanische Staat der Jesuiten im 18. Jahrhundert) und der argentinischen Militärherrschaft, allein: es folgt daraus im Grunde nichts. Es ist, meint Müller, als sei Krüger von irgend etwas abgelenkt worden. Was sehr schade ist: denn dass es dem Autor an "Witz, Stil, Einfallsreichtum" und Sprachvermögen nicht fehlt, das unterschlägt der Rezensent keineswegs. Diesmal aber hat das Können offenkundig nicht zum Gelingen geführt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Einen ganz und gar ungewöhnlichen Weg hat Lutz Hagestedt für seine Besprechung der Novelle des Leiters des Carl Hanser Verlages, Michael Krüger, gewählt und schimpft darin überwiegend recht illusionslos über den Literaturbetrieb. Dabei kommen beim Rezensenten sowohl Autoren als auch die Verlage und Literaturredakteure ausgesprochen schlecht weg: "Unverzeihlich", "unerträglich", "verantwortungslos" und geradezu "kriminell" findet er deren Ignoranz, mit Publikationsschwemmen die Bildung zu torpedieren. Schön findet Hagestedt daher Krügers Anliegen, diese Mechanismen in seiner Geschichte über einen Literaturredakteur, der zunächst erfolgreich im Gewerbe, dann an der Börse agiert und am Ende alles aufgibt, offen zu legen. Obwohl der Rezensent auf den Inhalt recht ausführlich eingeht, will er sich einer Besprechung im gewohnten Sinne entziehen und verweist am Schluss auf die "Ratgeber-Funktion" dieses Bandes. Denn "selten" seien die Gefahren "wunderbarer Geldvermehrung" so deutlich erkannt und abgewendet worden, schließt Hagestedt seine leicht zynischen und ironischen Anmerkungen.
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