Sie hat ihren Master in Filmwissenschaften abgebrochen und arbeitet im Kunstmuseum als Aufseherin. Während ihr Arbeitskollege Nikola unter der Treppe schläft, beobachtet sie den Staub im Sonnenlicht, lauscht den Stimmen der Kunstvermittlerinnen, wartet, dass die Zeit vergeht. In der Stille werden ihre Gedanken laut, die weissen Wände füllen sich mit Erinnerungen, an Manuel, ihren Freund, an Adam, ihren Geliebten. Apathisch wandelt sie durch ihr Leben, streift durch die Stadt, trifft den alten Paul, lässt sich treiben zwischen Resignation und Hoffnung, trauert um den verstorbenen Vater und vermisst die Mutter, die nicht anwesend ist. "Fünf Jahreszeiten" erzählt eine Episode aus dem Leben einer jungen Frau, in der nichts und alles möglich scheint und sich doch Entscheidungen aufdrängen - musikalisch, poetisch, mit leisen Tönen und von grosser Dringlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.12.2020
Rezensentin Cornelia Geißler lässt sich gerne von Meral Kurevshis "fließendem" Roman treiben. Die Autorin, im Kosovo geboren und mit ihrer Familie in die Schweiz ausgewandert, erzählt hier von einer jungen Frau in einer ähnlichen Situation. Einen Plot im strengen Sinne gebe es nicht, so Geißler; die hier einer jungen Frau "im Dazwischen" folgt: erwachsen, aber doch noch nicht ganz, im Grunde zufrieden, aber irgendwie auch nicht. Diesem Fließzustand entspreche auch Kureyshis Sprache, meint die Kritikerin. Der Jury des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs sei dieser Stil wohl etwas zu "ziel- und ehrgeizlos" gewesen, so Geißler - die Rezensentin scheint jedoch Gefallen zu finden an dieser "Unbestimmtheit als Lebensgefühl".
Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…