Es existiert eine Welt, in der "Holzfiguren leben". Am Anfang stehen sie einfach nur da, doch von Seite zu Seite, von Bild zu Bild verschieben sich die "Figuren auf der Bühne". Wie von einer "Kinderhand gelenkt" entstehen die Situationen zwischen den Akteuren, beschreibt Jens Thiele das Bilderbuch. Bild und Text überlagern sich in diesem "surrealen" Kleinstwerk, in dem der "rhythmische" Kinderreimcharakter der Texte den Rezensenten an ein "vergnügtes Sprachspiel" aus der Tradition der Abzählverse erinnert. Aber erst die Bilder füllen "die knappen Worte mit theatralischer Kraft", lobt ein sichtlich gefesselter Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Ein Bilderbuchtheater für die Kleinsten vom Feinsten verspricht Elisabeth Hohmeister, die sich in Melanie Kemmlers "Der hölzerne Mann" ein wenig verguckt hat. Szene für Szene rollen Wörter und Sätze über die Seiten und bauen ganz allmählich - so wie man eine Schneekugel dreht, die immer dicker wird, zieht Hohmeister den Vergleich - die Geschichte von Haus und Mann und Maus auf. Durch die Wiederholungen und steigende Spannung lasse sich der Text auch klanglich von den Kindern erobern. Kemmler arbeitet mit lichten warmen Farben, großen Flächen und kleinen Figuren, erklärt die Rezensentin; geschickt spiele sie mit den Perspektiven und tauche die ganze Spielzeugwelt auch schon mal ins Surreale. Verirren könnte sich dennoch niemand in dieser genau konstruierten Welt, die auf der letzten Seite des Buches enthülle, wer die Figuren geführt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.03.2003
Normalerweise erzählen Bilderbücher Geschichten, schreibt Hannah Glaser, mehr oder weniger bunt, mehr oder weniger spannend. Bei Melanie Kemmler aber ist alles anders. Ihr hölzerner Mann "ist einfach nur da" und hält Wache in "wechselnden Arrangements" hölzerner Spielzeuge unter einem einsamen Himmel. Auch der Text hat bei der Rezensentin nichts zum Verständnis beigetragen, ein "lakonischer Singsang", eine "Matrjoschka aus Worten", die Glaser an die Poesie der Kindheit erinnert. Am Ende bleibt alles offen, resümiert die für diese Art von Buch vielleicht doch schon zu erwachsene Rezensentin, keine Botschaft, keine Handlung, "nichts als stumme Suchbilder, auf die sich jeder seinen Reim machen mag".
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