Herausgegeben von Gisela Vollmann-Profe. Mechthilds von Magdeburg "fließendes Licht der Gottheit" gehört zu den herausragenden Werken der mittelalterlichen deutschen Literatur. In ungewöhnlicher Kühnheit wird hier, angeregt durch die erotische Bildsprache des Hohenliedes, die Begegnung Gottes und der liebenden Seele in der Unio mystica als Vereinigung von Braut und Bräutigam umschrieben. Neben solchen Passagen der Beseligung durch Gott und den Klagen über sein Fernsein finden wir im Werk aber auch andere Abschnitte, die nicht weniger kühn erscheinen: geschliffen formulierte Anklagen der 'ungelehrten Frau' gegen unwürdige Vertreter des geistlichen Standes.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2004
Über die Verfasserin weiß man wenig, und das Wenige gibt Hans-Herbert Räkel gleich zu Beginn seiner Rezension weiter: Mechthild von Magdeburg soll um 1207/8 geboren worden sein, lebte zunächst als Begine in Magdeburg, später im Kloster Helfta. Ihre geistlichen Erlebnisse, die auf eine unio mystica mit dem himmlischen Bräutigam zielten, schrieb die Klosterfrau über mehrere Jahrzehnte nieder. Für Räkel ist der Text auf uns fremde Weise literarisch: er sei mehr Exerzitium als Reflexion, mehr Gebet als Verkündigung, sagt er. Die Krux des Textes, darauf weise auch die Herausgeberin hin, sei seine "ungünstige Überlieferungslage", was Räkel schlicht für einen Euphemismus hält. Denn das niederdeutsche Original ist gar nicht mehr vorhanden, nur eine lateinische und eine später angefertigte oberdeutsche Übersetzung, und bei beiden könne man davon ausgehen, behauptet der Rezensent, dass ihren Verfassern die poetische Qualität des Originals gleichgültig gewesen sei. Räkel empfiehlt insofern guten Gewissens gleich die gelungene deutsche Neuübersetzung zu lesen. Seltsam sei es schon, bedauert Räkel, dass das, was uns heute an einem solchen Text interessiere, nämlich der persönliche Überschuss, das Aufbrechen der theologischen Terminologie, in der Rezeptionsgeschichte eine so geringe Rolle gespielt habe.
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