Maylis de Kerangal

Die Lebenden reparieren

Roman
Cover: Die Lebenden reparieren
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424780
Gebunden, 255 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Nach einem Autounfall diagnostizieren die Ärzte den klinischen Tod eines jungen Manns. Zugleich stellen fest, dass er sich zum Organspender eignet. Wie verhalten sich Ärzte und die Familien in solchen Situationen auf Leben und Tod? Wie verkraften Menschen überhaupt solche unerwartbaren, unausweichlichen Chancen und das gleichzeitige Ende aller Chancen? Maylis de Kerangal präsentiert die Abfolge dieser 24 Stunden in einer rasanten Folge von emotional aufrührenden Szenen und deskriptivem Reportagestil. Und so stellt sich beim Leser Betroffenheit ein. Die sieben renommierten Auszeichnungen, die dieser Roman in Frankreich erhalten hat, sind ein Beleg für solche Wirkung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2015

Niklas Bender ist der Autorin dankbar für einen breiten Blick auf die Wirklichkeit der Transplantationsmedizin. Dass Maylis de Kerangal so ein Thema in einem Roman anpackt, scheint ihm couragiert. Zumal die Autorin offenbar über die literarischen Mittel und Möglichkeiten verfügt, daraus einen spannenden wie anrührenden Text zu machen. Von Kerangals Feingefühl und erzählerischem Schwung, ihrem Sinn für Figurenpsychologie, die Dynamik eines Krankenhauses und seines Personals sowie allgemein für menschliche Wechselwirkungen ist Bender jedenfalls überzeugt. Auch wenn der Roman es mitunter allzu gut meint mit seinen Figuren, wie er feststellt, und alle als äußerst kompetent darstellt. Das geht manchmal in Richtung Arztroman, meint Bender, auch sprachlich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2015

Derart gelungen sei dieses Buch, schreibt Georg Renöckl, dass man es nur bedingt empfehlen könne. Der Roman über den Hirntod eines Neunzehnjährigen als Folge eines schweren Autounfalls sei so mitreißend, dass er Spuren beim Leser hinterlasse. Nur schwer ist das tragische Geschehen auch für den Rezensenten auszuhalten, zugleich zeigt er sich fasziniert vom dichten Text. Renöckl lobt die häufigen Perspektivwechsel, betrachtet sie aber auch als zwangsläufig, um das Geschilderte überhaupt ertragen zu können. "Langgestreckte Sätze von konzentrierter Schönheit" schreibe de Kerangal, der Kritiker findet sie meisterhaft. Empathie, Intensität und Ironie attestiert er der Autorin und ihrem Werk, wobei die deutsche Übersetzung an Letzterem einiges einbüße. Die Dramaturgie de Kerangals macht den Roman in den Augen des Rezensenten zu einer ähnlich präzisen Angelegenheit wie eine Herztransplantation und zur "Hymne an die körperliche Lust am Leben in all ihren Schattierungen".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 30.05.2015

Peter Praschl schwingt sich in seiner Besprechung von Maylis de Kerangals Roman über die Grenze zwischen Leben und Tod zu Lobeshymnen auf, für ihn ist das Werk zugleich "virtuos grausam und virtuos schön, kontrolliertes Trance-Schreiben", kurzum: "gloriose Literatur". Der Rezensent gibt zu, von der Eindringlichkeit der Lektüre und des Erzählten zeitweilig überfordert gewesen zu sein, geht es doch um einen 19-Jährigen, der nach einem Unfall hirntot auf der Intensivstation liegt. Kein Detail lasse der Text liegen, bemerkt Praschl, er beleuchte die Gedanken- und Lebenswelt der Eltern angesichts der Entscheidung, die lebenserhaltenden Maschinen des Sohnes auszuschalten, genauso wie die der Krankenschwester und des diensthabenden Arztes. So komme das Buch viel näher an das Geschehen heran, als es Journalismus oder Film je vermocht hätten, meint der Rezensent, der sich mitunter in pathetischen Formulierungen verliert - etwa wenn er von einer Prosa schreibt, "in der die Wörter wie Blutkörperchen Gischtkronen auf Wellen treiben".
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