Ralf Stoecker

Der Hirntod

Ein medizinethisches Problem und seine moralphilosophische Transformation
Karl Alber Verlag, Freiburg - München 1999
ISBN 9783495479292
gebunden, 360 Seiten, 40,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2000

In einer Doppelrezension bespricht Andreas Brenner zwei Bücher, die sich mit Transplantationsmedizin beschäftigen.
1) Ralf Stoecker: "Der Hirntod"
Erstaunt stellt Andreas Brenner fest, dass Stoeckers Kernaussage sich auf die Tatsache bezieht, dass in der hochtechnisierten Transplantationsmedizin ausgerechnet die "sehr alte Vorstellung" einer Trennung von Körper und Seele von entscheidender Bedeutung ist. Stoeckers Ausführungen dazu findet Brenner jedoch äußerst überzeugend - und nicht weniger schockierend. So führt Stoecker den Widerspruch aus, der darin liegt, dass die Persönlichkeit eines Menschen durch die Zerstückelung seines unbeseelten Körpers nicht mehr verletzt werden könne. Andererseits jedoch heiße dies, das die Persönlichkeit lediglich durch einen biologischen Vorgang bedingt sei. Zustimmend folgt Brenner Stoeckers These, dass der biologische Tod jedoch "nur ein Verlust unter vielen" ist, dass der Tod aus vielen verschiedenen Facetten besteht. Ähnliches gelte für den Gehirntod mit dem für den Rezensenten erschreckenden Fazit Stoeckers, dass "Organentnahme bei hirntoten Menschen" nicht mit dem "aktuellen Transplantationsgesetz vereinbar" ist. Die Folge müsse daher - so Brenner - eine erneute Debatte zu dem Thema sein: unter Berücksichtigung "aller Aspekte".
2) Ulrike Baureithel/Anna Bergmann: "Herzloser Tod"
Zunächst bedauert Brenner, dass dieses Buch nicht zwei Jahre früher erschienen ist und daher der Debatte vor Verabschiedung des Transplantationsgesetzes nicht mehr zugute kommen kann. Dennoch misst er diesem Buch eine "überragende Bedeutung" in der Diskussion über Transplantationsmedizin zu. Besonders aufschlussreich findet Brenner die Gespräche mit Angehörigen von "Spendern", mit Organempfängern und vor allem mit dem medizinischen Personal. Brenner ist erstaunt über das Ausmaß an Unsicherheit, aber auch Schuldgefühlen bei Transplantationsmedizinern, deren Spender-"Patienten" zwar "hirntot" sind, aber dennoch "Schmerzreaktionen" zeigen können. Ein Buch, das sich Brenner "als Pflichtlektüre der Bundestagsabgeordneten" gerwünscht hätte.
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